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Jakob, Mama und Phobie

Für Jakob ein Naturwunder, für seine Mama.....

„Mama, schau mal“. Jakob war eigentlich auf dem Weg zur Schule. Nun stand der Zweitklässler in der Garagenauffahrt und betrachtete konzentriert in leicht nach vorne gebückter Haltung (um dem Wunder möglichst nahe zu sein) etwas, dass sich offensichtlich auf dem Boden befinden musste.
„Mama, nun guck doch mal! Das hast du noch nicht gesehen.“, forderte Jakob weiterhin die Aufmerksamkeit seiner Mutter ein. Das Problem hierbei war allerdings, dass Jakobs Mama gar nicht wissen wollte, was Jakob da so interessiert betrachtete. Das lag nicht an Gleichgültigkeit oder Desinteresse, sondern eher daran, dass sie ziemlich sicher zu wissen glaubte, was Jakob da so im Angebot hatte.

Ohne auch nur den Hauch einer Reaktion zu zeigen, ging Jakobs Mama weiter die Auffahrt hoch zu ihrem Auto, mit dem sie vorhatte, ihren jüngsten in die Schule zu fahren. 
„Nun komm schon Jakob.“, versuchte seine Mama ihn von seinem Objekt abzulenken. „Komm jetzt, es ist schon spät!“
„Mama du musst aber erst gucken. Das hast Du noch nicht gesehen, ehrlich!“, erwiderte Jakob jetzt bereits mit selbstbewusster und null Nachgiebigkeit andeutender Stimme.

„Ich weiß, was du da gesehen hast. Und bitte glaube mir, ich habe absolut kein Interesse mir das anzusehen!“
Jakobs Mama wusste eigentlich jetzt schon, dass sie keine Chance haben würde, der Aufforderung ihres achtjährigen Sohnes zu entkommen.
„Mama, der ist soooo groß.“, und dabei deutete Jakob eine Gesamtlänge von mindestens 40cm an, indem er seine Arme über der abgestellten Schultasche ausbreitete. „Und dabei ist er auch sooo dick, schau Mama!“
Jakobs Mama wurde übel. Sie hatte nur eine Chance ihren bereits aufkommenden Brechreiz zu unterdrücken: <jegliche Vorstellung an Jakobs Wunderobjekt musste unterdrückt werden!>

Zur Erläuterung sollte man vielleicht erwähnen, dass Jakobs Mama eine panische Angst und einen manischen Ekel vor gewissen länglichen schleimigen Tierchen pflegt. Das ist auch der Grund, warum sie für Gartenarbeit absolut nicht in Frage kommt. Ganz zum Leidwesen von Jakobs Papa, der so gezwungen ist, die Gartenarbeit alleine zu verrichten. Früher dachte Jakobs Papa, dass seine Frau sich anstellen würde, aus welchem Grund auch immer. Im Laufe der Jahre musste Jakobs Papa allerdings einsehen, dass der Ekel und die Angst nicht vorgeschoben oder gar willentlich kontrollierbar waren. Der Anblick von „Denk-nicht-Drans“, wie sie mittlerweile die Objekte ihres Ekels nannten, lösten unumgänglich und absolut spontan Panik aus. Das ging teilweise so weit, dass die bloße Erwähnung z.B. bei Tisch, dazu führte, dass Jakobs Mama die nächsten Stunden nichts mehr zu sich nehmen konnte. Diese Spontanreaktion hätte man sich theoretisch für die Durchführung einer Fastenzeit oder Diätphase zu nutzen machen können. Aber da man ja nichtmal daran denken durfte, kam auch keinem dieser nützliche und hilfreiche Gedanke in den Sinn.

„Mama, so ein Wurm ist echt toll. Schau mal, wie der sich bewegt.“
Jakobs Mama wurde etwas seltsam zumute.
„Boooaaaa der hat eine so tolle Art zu kriechen Mama, wirklich richtig schnell!“. Bei dieser Aussage kam der kleine Naturforscher so richtig ins Schwärmen. Die Betonung hierbei lag eindeutig auf <richtig>. Das Kinderstimmchen überschlug sich fast.
„Du, der ist eigentlich doch nicht so schnell, aber auf jeden Fall viel schneller als eine Schnecke, das auf jeden Fall!“
Jetzt wurde Jakobs Mama aber endgültig sonderbar zumute.
„Lalalalaa nicht dran denken, lalalalaa“ entfuhr es ihr zur Star-Wars Melodie. Eine andere ist ihr im Moment nicht eingefallen. Das lag bestimmt daran, dass die Regenwurmpanik langsam Besitz von ihr ergriff und, dass Jakob, seitdem er weiß, wie man auf seinem Altsaxophone Töne erzeugen kann, unentwegt diese Melodie spielt.

„Mama du singst ja „the Main Theme“ aus Star-Wars. Das ist toll nicht wahr? Wenn du willst kann ich dir die gleich mal vorspielen.“, hierbei schaute Jakob kurz von seinem Wurm auf, um seiner Mutter einen anerkennenden Blick zuzuwerfen.
Jakobs Mama atmete erleichtert auf und wähnte sich zumindest ansatzweise in Sicherheit. Die Atemfrequenz als auch das Ekelgefühl verringerten sich auf einen unkritischen Wert.
„Ommmmmmm“, brummte sie hervor und begleitete diesen Laut, der offensichtlich ihre Seele und Körper wieder in Einklang bringen sollte, mit einer ausladenden Armbewegung. Dabei schloss sie sanft ihre Augen, und atmete die duftende Frühlingsluft tief durch ihre Nase hinein in ihren noch leicht bebenden Körper.
„Mama….“, erklang Jakobs Stimme und Mamas Psyche ging in Alarmbereitschaft.
„Ommmmmmmmmm“, jetzt ganz laut, so als wolle sie Jakobs kommende Erläuterungen übertönen.
„Mamaaaaa!“
„OMMMMMMMM“
„Mammaaaaa nun hör doch mal auf mit Deinem Ommmmmm!“, schimpfte Jakob jetzt mit arg dominanter Kinderstimme.
„Kannst Du nicht einfach ruhig sein!“, konterte seine Mama
„Einfach nur ruhig sein, ich muss sonst kotzen“, warnte Sie sie ihren Sohn jetzt eindringlich vor. Gut, das Wort ‚Kotzen’ gehört nun nicht unbedingt zum in Familienkreisen geschätzten Wortschatz. Aber harte Zeiten erfordern harte Worte.

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Kategorien: Jakobs Tagebuch | 2 Kommentare

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Kommentare

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Hermann und Inge am :

:-) köstlich; schöne Grüße von meiner Frau - sie kann Jakobs Mama nur zu gut verstehen. PS. Aber eine Bitte: Wie wäre es mit dem zweiten Teil der Story hier im Blog?! Gruß Hermann und Inge

Werner Leusch am :

Danke für die Blumen! Was Ihren Vorschlag anbelangt; ich verspreche darüber nachzudenken. Sie sind nicht der Erste der mich auf die Fortsetzung angesprochen hat. Auf jeden Fall freue ich mich über das vorhandene Interesse. Ihr Werner leusch

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