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Das interessiert doch keine Sau

Jakob probt den Aufstand, und es wird ziemlich eng für seine Eltern. Der kleine Mann ganz bockig, frech und doch so butterweich!

„Das interessiert doch keine Sau.“
Jakob traute sich nicht diesen Satz laut und deutlich auszusprechen, jedoch laut genug damit ihn jeder verstehen konnte, wenn er wollte. Jakobs Mama wollte etwas mehr verstehen als Jakobs Papa. Somit klappte auch zuerst ihr die Kinnlade etwas nach unten. Nach einigen Sekunden folgte dann das Kinn von Jakobs Papa. Der ist immer etwas langsamer im Verstehen von Unverschämtheiten und manchmal hört er sie auch gar nicht. Manch einer behauptet das läge an dem, mittlerweile etwas geschwächtem, Hörvermögen. Als HiFi-Freak und Audiphiler mit höchsten Ansprüchen hört Jakobs Papa das nun gar nicht gerne. Hier versteht er keinen Spaß. Das würde ja dann bedeuten, dass er seine über die Jahre liebevoll zusammengestellte Mega-HiFi Anlage verkaufen, und an deren Stelle ein (E)I-Produkt incl. Ohrstöpsel verwenden könnte. Igitt! Genauso schockierte ihn die Aussage des jüngsten Familienmitglieds.

Jakob wurde von seinen Eltern angesehen, als hätte er gerade karierte Haare bekommen.
„Was hast Du da gerade gesagt?“ fragte zur Sicherheit Jakobs Papa noch mal nach. Sicher ist sicher, man will ja nicht geschockt sein, wo der liebe Kleine doch nur einen Scherz machen wollte. Oder vielleicht hatte man sich ja auch nur verhört.
„Also Jakob, was hast Du da gerade gesagt? Kannst Du das noch mal wiederholen!“ 
Jakob schaute seinen Papa jetzt kampflustig an. Sein Kopf war dazu leicht Richtung Opfer geneigt, seine Stirn in krause Falten gezogen und seine Augenbrauen lagen jetzt so nahe beieinander, dass es zum Fürchten aussah.
„Ich sage so was nur einmal. Und wenn Du es nicht verstanden hast, dann hast Du es eben nicht verstanden!  KAPIERT ?!“

Jakobs Papa fiel jetzt die Kinnlade noch eine Etage tiefer. Und bevor der so angezählte Erziehungsberechtigte etwas erwidern konnte, wurde von dem kleinen Adjutanten noch mal kräftig nachgelegt: „Ich habe keine Lust, immer alles zweimal zu erklären!“
Wäre das Kinn nicht doch irgendwie angewachsen, so hätte man jetzt sicherlich ein Plumps vom Aufprall auf der Tischplatte hören können.

Jakobs Mama war, wie meistens, im Verstehen von Unverschämtheiten auch diesmal wieder schneller als Jakobs Papa.
„Jakob ich will nicht so was hören, und ich habe keine Lust, mir solche Unverschämtheiten anzuhören! Du gehst jetzt raus in den Flur, und dort bleibst Du so lange, wie Du brauchst, um wieder normal zu werden. Und wenn Du wieder normal geworden bist, kannst Du gerne wieder reinkommen und weiter mit uns zu Abend essen.!“
Jetzt kam eine lange Pause und ein durchdringender Blick der liebsten Mama von allen, die momentan gar nicht mehr lieb sein wollte. Und um ihrem Gesagtem noch etwas Nachdruck zu verleihen, gebrauchte sie abschließend noch eine Vokabel aus Jakobs aktuellem Lieblingswortschatz: --- “KAPIERT“
Oh, großer Fehler, und alles andere als deeskalierend. Das Echo des siebenjährigen Rebellen wäre dann auch ehr ein Fall für Supernanny.
„Du kapierst nicht! Ich hab gesagt, dass das keine Sau interessiert!!! VERSTANDEN!“
Die Stirne wurde dabei noch faltiger und die Augenbrauen noch enger und die Augen noch stechender als bereits zwei Sätze zuvor.
„Und ich bleibe hier sitzen und gehe nicht in den Flur, klar?!“
Zum Verständnis der ganzen Geschichte sollte man vielleicht noch erwähnen, dass der kleine Sack (Man verzeihe mir diesen Kraftausdruck für das sonst liebste süßeste bezauberndste Kind der Welt) zuvor von seiner Mama angehalten wurde, nicht mit dem Ketchup so achtlos umzugehen, vernünftig zu essen und nicht wie ein kleines Ferkelchen. Nachdem Jakobs Papa bereits mehrfach die Ketchupflecken auf dem Tisch wegwischen musste, weil Jakob etwas wild mit der Gabel gefuchtelt und anschießend das frisch angezogen T-Shirt seine roten Sprenkel bekommen hatte, sahen sich die Eltern in der Zwangslage, ihrem Sprössling nun doch mal seine Grenzen zu setzen.
„Jakob pass doch mal besser auf beim Essen. Du benimmst Dich wie ein Ferkel. Nimm jetzt enslich die Gabel in die andere Hand und setz’ Dich gerade hin. Dann brauchen wir auch nicht zu schimpfen!“
Mit diesen Worten hatte man also versucht, das Abendessen ohne weiteren Stress fortzusetzen. Aber getreu den biblischen Worten „Wer Wind säht, wird Sturm ernten“ brannte jetzt die Hütte, angefacht von einem wahren Orkan kindlicher Verweigerungshaltung.

Jakobs Papa fiel die Gabel aus der Hand, sein Puls vervielfachte sich schlagartig und urplötzlich war Jakobs Papa gar kein bisschen mehr schwerhörig, auch wenn er es jetzt gerne gewesen wäre. Schneller als sein Rebell reagieren konnte, stand er vor ihm und packte ihn unter den Armen, um ihn dann eben aus dem Zimmer zu tragen. Jakob wäre nicht Jakob wenn er nicht noch blitzeschneller nachlegen könnte. Augenblicklich verhakten sich seine Finger in der Sitzfläche seines Stuhls. Dann huschte ein etwas scheuer Blick der Verlegenheit über sein Gesicht und die Falten wurden in einem unbedachten Moment doch etwas glatter. Kleine Anflüge von Griemeln und auch etwas Unsicherheit zeigten sich um Jakobs Mundwinkel. Natürlich ist das Jakobs Papa nicht entgangen und er wurde schon fast wieder versöhnlich und hätte bei aller Wut den kleinen Mann knuddeln und herzen können. Aber hier war sein Herzchen doch etwas zu weit gegangen. Und wäre es nur um sein eigenes Bild von Jakob gegangen, Jakobs Papa hätte sich hier bestimmt hinreißen lassen, seinen Gefühlen nachzugeben. Umso panischer wurde Jakob jetzt auch, als er doch recht unerwartet inclusive Stuhl zügig an Höhe gewann und sich das fliegende Sitzmöbel samt Besetzter im festen Griff von Jakobs Papa Richtung Terrasse bewegte. Zur Landung wurde erst draußen angesetzt und direkt vor dem Gartentisch angedockt.
„Du… mein Kleiner bleibst hier, während ich Dir noch Deinen Teller hole. Wenn Du dann fertig bist mit Essen kannst Du gerne anklopfen, ich werde Dich dann hereinlassen!“
Sagte Jakobs Papa und ging und an ihm vorbei flitzen 120 cm rebellisches Kind Richtung Esstisch. Hier stand Jakob dann an seinem Platz, wo vorher noch sein Stuhl gestanden hatte. In seinen Händen hielt er elegant Messer und Gabel. Und bevor Jakobs Papa etwas sagen konnte, benutzte er das Besteck, um vorbildlich sein Essen zu sich zu nehmen – im Stehen versteht sich - .
„Papa ich esse jetzt ganz vernünftig! Ich will nicht draußen essen. Ich will bei Euch bleiben!“ Dabei konnte man den glänzenden Film auf seinen großen Kulleraugen sehen und wie sich so das ein oder andere kleine Tränchen den Weg in die Augenwinkel bahnte. Bei dem Anblick des stehenden Büßers war Jakobs Papa und auch der Mama egal, dass Jakob beim Sprechen etwas Probleme hatte, weil sein Mund doch recht voll war. Jetzt hätten beide am liebsten ihren Kleinen in die Arme genommen und konsequent wie sie nun mal sind, hatten sie sogar versucht, ihre Erziehungsbemühungen ohne Wenn und Aber durchzuziehen, wirklich. Und nicht ganz eine Minute später hatte Jakob dann auch bereits mindestens 10 Tränentrockenküsse von seinem Papa bekommen und mindestens ebenso viele von seiner Mama, oder wie er selber immer zu sagen pflegt „von seiner Mutter und seinem Vater“ Das Männelein strahlte über beide Backen und unter ständigem Rotzen und Nasehochziehen stopfte er sich hier und da mal das ein oder andere Stück von seinem Abendessen in den Mund. Natürlich ohne Kleckerei, und dabei wurde gelacht und gescherzt. Jakobs Mama und Papa war mal wieder furchtbar klar, dass man seinem Kind irgendwie nie so richtig böse sein kann… oder doch? Aber wenn, dann nur kurz?! Aber egal, solange es nicht schadet wenn man sein Kind lieb hat.
Aber Liebe ist ja in der Regel eine Geschichte auf Gegenseitigkeit. Also zumindest die erfüllte Liebe. Die, die unter die Haut geht. Die einen wärmt mit ihrer Ernsthaftigkeit. Da muss nichts erklärt werden, weil es nicht erklärbar ist. Sie ist da und hat Bestand und lässt sich auch nicht auf die Terrasse tragen.


Kategorien: Jakobs Tagebuch | 0 Kommentare

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