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Mannsein (Teil1)

Jakob im Strudel der Männlichkeit - oder - Anleitung für die Patentante
„Hi Bruder“,meldete sich meine Schwester am Telefon. Ich zuckte erstmal kräftig zusammen, denn wenn das Handy morgens um nicht mal 8:00 Uhr klingelt, dann kann das einfach nichts Gutes bedeuten.
„Hi Schwester….“, gab ich etwas kleinlaut zurück.

„Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes passiert!?“ hauchte ich halb fragend eine hoffnugsvolle Aussage mit drei Ausrufezeichen ins Telefon.
„Moin moin kleiner Bruder, hier ist Deine Schwester“, war die Antwort, die mich erstmal nicht wirklich beruhigte. Ich schwieg vorsorglich.
„Ist nichts Schlimmes! Ralf hat sich nur gestern etwas übernommen und ist gefechtsuntauglich für die nächsten Tage.“ Das war ja jetzt mal eine Aussage mit der meine ängstliche, das Schlimmste erwartende Seite nichts anfangen konnte.
„Und was heißt das jetzt?“, fragte ich noch immer kleinlaut und aufs Höchste alarmiert zurück.
Normalerweise ist es ja nicht unbedingt alarmierend, wenn der Mann der eigenen Schwester sich übernommen hat und jetzt nicht mehr so kann wie er vielleicht gemocht hätte. Im Falle von Ralf erst recht nicht, da er zu der Spezies gehört, die ab Erreichen der Altersgrenze von 50 anfangen, die Jahresringe zu zählen. Da man aber keinesfalls im Alter hölzern werde möchte, fängt man wieder mit dem einst so geliebtem Sport an. Auch wenn der in den vergangenen 20 Jahren eher ein Schattendasein gefristet hat. Sprich: man ist vollends untrainiert. Nun ist Ralf aber nicht unbedingt das was man untrainiert nennen würde. Er geht nur einige Schritte weiter als seine Altersgenossen, die sich gelegentlich auch auf Mumienschieben beschränken und einen Tanzkurs für Leute ab 70 besuchen. Ralf ist einer von denen, die sich gerne überfordern, weil sie noch nicht ganz begriffen haben, dass man 20 Jahre älter geworden ist.  Ralf ist also gestern gelaufen und hat für den Anfang erstmal 10 km bei einem Firmenrennen hingelegt und dabei dem Ehrgeiz Rechnung getragen, die Windelfraktion (also die Männer die am Wochenende die Windeln der Kleinkinder wechseln dürfen, weil Frau mal ausspannen will) auf die Plätze zu verweisen.
Nun ist das aber so blöd gelaufen, dass bei Ralf jetzt erstmal Schluss ist mit Laufen. Und er kann auch nicht mehr Fahrradfahren. Und das ist nun der Punkt, der für mich alarmierend ist. Der Grund hierfür liegt darin, dass Jakob, mein kleiner 8jähriger niemalsmüder Sohn, das Wochenende bei Tante Gusti und Onkel Ralf verbringen soll, damit seine Eltern so richtig in ihrer temporär zurückgewonnen Freizeit-Freiheit schwelgen können. Unter Anderem stand für Jakob bis jetzt auf dem Plan, mit dem Fahrrad gemeinsam am Rhein entlang zu fahren. Gemeinsam meint in diesem Falle, Gusti, Jakob und Ralf, wir nicht. Wir machen was ganz tolles. Was – das sage ich aber nicht. Fahrradfahren können wir dann später zusammen mit Jakob immer noch, quasi Alltag.
„Ach“, erwidert meine Schwester.
„Das heißt nur, dass das Fahrradfahren für Ralfi eben ausfällt!“
„Soll das denn bedeuten, dass ich das Fahrrad für Jakob zuhause lassen kann, weil das jetzt nichts gibt mit dem Fahrradfahren?“, fragte ich, noch immer in Alarmbereitschaft, nach.
„Neiiiinn, ich fahre mit Jakob dann eben alleine. Ich pack das schon!“. Und dann setzt die beste Schwester von allen triumphierend hinzu: „Ich habe ja eine Pedelec. Da kann ich locker den Jakob müdefahren!“
Ich habe da dann nicht drauf geantwortet. Ich warte eben einfach mal ab, wer denn anschließend müder ist. Aber ein bisschen unfair ist so ein Fahrrad mit Hilfsmotor eigentlich doch.
„Jakob, gib alles!“, höre ich meine inneren Schattenmann rufen.
Andererseits ist es schon ein beruhigendes Gefühl zu erfahren, dass meine Schwester nicht dem Zwang verfallen ist, ihren Jahresringen durch unangemessene sportliche Höchstleistungen eine Nase zu drehen. Aber dafür hat sie andere Vorlieben. Die sind aber ehr  harmloser natur und heißen “Touch-Life“ und “Mindfullness based stress reduction“, “Reiki“ und “Feng Shui“ usw.  Muskelrisse und Zerrungen sind dabei in der Regel nicht zu befürchten.

Fortsetzung folgt bald.

Kategorien: Aus meinem Leben | 0 Kommentare

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