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Mannsein (Fortsetzung)

Lies vorab den ersten Teil der Geschichte.
Jakob entdeckt die Männlichkeit.

Bei der Ankündigung, meinen kleinen Tiger mit so unfairen Mitteln wie Pedelec müde zu machen, musste ich dann doch etwas zusammenzucken. Jakob gehört nämlich im Grunde auch zu der gleichen Fraktion wie mein Schwager und die meisten Männer. Bei ihm zählt nur <auspowern>  und erst recht, wenn da so ein hinterhältiges Weib Batterien ins Spiel bringt.  Zum Glück ist mir eine solche Denke fremd. Ich hoffe nur, mein Sohm lässt sich nicht unterkriegen. Er ist eben ein richtiger Mann, wie seine Mama oft zu seiner Freude betont.
Erst gestern stand Jakob “mit ohne alles an“ vor dem Spiegel und betrachtete sich andächtig. Dabei streichelte er versonnen über seine erst Tags zuvor von Josef, unserem Starfrisör, kunstvoll gekürzten Haare.
„Menschen haben nur auf dem Kopf ein Fell!“, stellte Jakob besinnlich fest.

„Menschen haben aber auch Haare auf der Brust und auf dem Bauch“, wendete seine Mama da ein.
„Ja, und auch auf den Armen und Beinen!“ ergänzte Jakob.
„Da hast Du Recht. Dein Papa ist ja auch ein richtiger Mann!“, setzte Jakobs Mama noch eins obenauf. Und dabei zeigte sie dieses Lächeln, --- ihr wisst schon!“
Jakob betrachte sich weiter im Spiegel. Diesmal galt sein vornehmliches Interesse seinen Armen und Beinen, auf dem sich kleiner schwarzer Flaum abzeichnete.
„Schau mal Mama.“, seine linke Hand strich bedächtig über seinen rechten Arm. „Die ersten Anzeichen von MANN!“
Soweit erfüllt Jakob also bereits die Anforderungen an’s Mannsein. Hinzu kommen dann noch andere aber mindestens genauso wichtige Merkmale wie  die Vorliebe für Größenvergleiche und alles Fahrbare. Altergruppen bereinigt heißt dass: Die Entwicklung zum Mann führt über Kinderwagen (war eigentlich nie Jakobs Ding. Seine kleinen Beinchen wollten eigentlich immer laufen oder von Papas starken Armen getragen werden. Allerdings bildet er da wohl die absolute Ausnahme. Oft sieht man selbst 5- oder 6jährige, an einem ausgelutschtem Schnuller saugende Jungs mit leeren Augen in so einem Gefährt rumlümmeln.) und Bobycar (Hat Jakob auch ausgelassen.. zum Glück seiner Eltern), Dreirad (hat er auch nie gefahren… also, so langsam bekomme ich Zweifel an der korrekten  Typisierung meines Sohnes.), Laufrad (Ohhh jaaa da war er nicht von runterzukriegen und so schnell unterwegs, dass Jakobs Papa oft nur das Nachsehen hatte, und auf die Obhut seines Schutzengels Anton vertrauen  musste.), Kinderrad (puhh.. ja das hatte er auch, war aber nicht so sein Ding. Aber zum Glück war er damit langsamer als mit dem Laufrad!) bis zum Fahrrad. Dann kommt der Roller oder besser gesagt Scooter. Später dann Mofa, Moped, Motorrad, Auto und letztendlich die Königsdisziplin <SUV> oder Megasportwagen. Natürlich wird ab Kinderrad gepimpt was das Zeug hält. Was später die Felgen sind, bilden in der Jungend die coole Klingel oder die Karte aus dem Autoquartet, die mit der Wäscheklammer aus der Waschküche am Fahrrad so befestigt wird, dass es sich beim Fahren so anhört wie ein asthmakrankes Moped.  Jedenfalls stand Jakob, nachdem er seinen männlichen Flaum bereits entsprechend von seiner Mama gewürdigt bekommen hatte, bewundernd neben dem geparkten Roller seines Freundes Max  und meinte mit Bewunderung in der Stimme: „Mein Gott, was für ein Ständer!“
Auf die Vorliebe der Männer für permanente Größenvergleiche, gehe ich an dieser Stelle hier wohl besser nicht ein!

Aber jetzt zurück zum Anruf meiner Schwester.
„Also lieber Bruder.“, führte meine Schwester das Gespräch fort.
„Was isst Dein Sohn denn so am liebsten?“
„Eigentlich so alles, was Kinder so in seinem Alter eben essen!“
„Und was ist das dann konkret?, fragte meine Schwester nach.
„Tjaaaa, so eher…  Also er isst eigentlich, ich würde sagen, selektiv.“
„Da kann ich jetzt nicht so viel mit anfangen, Werde mal bitte etwas konkreter!“ forderte meine Schwester mich jetzt, bereits etwas panisch, auf. 
Irgendwie ist das mit dem Besuch eines geliebten Neffen wohl so, als wenn der Papst den ortsansässigen Pfarrer besuchen kommt.
Da ich im Grunde ein sehr einsichtiger Mensch bin, habe ich dann letztendlich dem Drängen meiner Schwester nachgegeben und mir Gedanken gemacht was mein Sohn denn so alles isst.
„Spaghetti sind nicht schlecht. Am besten Du machst so was wie Carbonara, aber ohne Schinken, nur mit geschlagenem Ei und Parmesan darin verrührt. Dann mag er noch Würstchen und…“, an dieser Stelle wurde ich von meiner Schwester bereits unterbrochen. Ich konnte förmlich spüren, wie sich die Panik ihrer bemächtigte.
„Was meinst Du mit Carbonara ? Hast Du ein Rezept.“
„Dazu brauchst Du kein Rezept!“
„DOCH..“ gab sie heiser zurück
„Ach quatsch… ok,  Du schlägst einfach ein oder zwei Eier auf. Würzt das Zeug mit Salz und Pfeffer und gibst ein oder zwei Esslöffel geriebenen Parmesan dazu. Alles gut….“, und wieder wurde ich unterbrochen.
„Stop! Ist guuut, genug Rezept;  welche Würstchen?“

Anschließend wurde die Frage nach den Filmvorlieben erörtert.
„Was darf der Jakob denn gucken? Wir wollen gleich in die Videothek und einen schönen Kinderfilm für den Abend aussuchen.“
„Oh gute Idee“, gab ich zurück. „Dann sei aber vorsichtig und schau auf die FSK!“
„Ja klar!“ sagte meine Schwester fürsorglich und sich ihrer temporären Aufgabe als verantwortliche Person, voll bewusst.
„Was guckt er denn so gerne, oder besser was hat er schon gesehen?“
„Also, sowas wie “Feivel der Mauswanderer“ lässt Du ihn bitte nicht gucken. Da weint er immer haltlos und mutiert vom starken Mann zum Häufchen Elend!“ Meine Schwester wurde hörbar kreidebleich.
„Und dann so Filme „König der Löwen“  , gaaaanz böse.“ Fuhr ich fort.
„Muss Jakob dann auch weinen?“, fragte die besorgteste  aller Tanten.
„Ojah… am besten du schaust mit ihm so harmlose Kinderfilme wie Starwars Episode 4, 5 und 6 oder Avatar! Das ist zwar richtig spannend und super cool, aber tangiert ihn eigentlich nicht. Das ist Fiktion. Feivel ist leider viel zu real! Kinderfilme bitte NUR im Beisein von Erwachsenen!“
„Auweia“, hörte ich meine Schwester stöhnen. „Ich denke wir gehen mit Jakob zusammen einen Film aussuchen!“
Ich musste bereits etwas schmunzeln über die Gedanken der beiden Gastgeber.
„Ach und was ich noch fragen wollte, was mag der Jakob denn so beim Filmegucken an kleinen Snacks?“
Das Gespräch ging in dieser Art noch ca 10 Minuten weiter.

Dann rief Jakobs Mama an: „Und, hat sich Deine Schwester gemeldet? Bleibt es dabei, wie vereinbart?“
„Ja, sie hat angerufen. Ralf ist krank!“
Verdammt ich kann aber auch manchmal böse sein. Meiner Frau ist jetzt sicherlich das Herz in die Hose gerutscht. Das freie Wochenende war in Gefahr. Da musste sie jetzt durch.  Aber… eigentlich will ich ja nicht böse sein, also besser doch schnell die Sache aufklären!
„Aber beruhige Dich. Ralf hat gestern Sport gemacht!“
„Ahhh“ kam es jetzt erleichtert. „Er ist bestimmt laufen gewesen und er hat dabei versucht zu beweisen dass MANN noch …..“

Ich guck mir gleich auf jeden Fall die Armbehaarung meines Schwagers an und dann sein Motorrad und….. Dummerweise ist sein Teil viel fetter als meins --- damals, das muss ich ihm neidvoll zugestehen. Aber da bin ich ja bereits weiter. Habe ich nicht mehr nötig. Irgendwie war das nie so richtig mein Ding, das Motorradfahren. Bevor wir allerdings den Kleinen gleich zu Tante Gusti und Onkel Ralf  bringen, muss ich noch den Fahrradträger an die Anhängerkupplung meines SUV montieren.
Kategorien: Aus meinem Leben | 0 Kommentare

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