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Geburtstag, Auto und sonstige Katastrophen (Teil3)

Das mit dem Auto und der Katastrophe hatten wir ja schon. Bevor der kleine Jakob nun vor lauter Vorfreude auf den Geburtstag seines Papas fast platzt, kommt erst eine kleine stinkende Katastrophe  "STECH".

lies zuerst was bisher geschah Teil1 und Teil 2

Also heute wird Jakobs Papa 52. Jakob hat auch ein Geschenk für seinen Papa. Als die Drei vor einigen Tagen in Bad-Münstereifel spazieren gegangen waren, sind sie auch, wie fast immer wenn sie hier sind, ins alte Brauhaus gegangen, Schweinshaxe mit Bratkartoffeln und Sauerkraut essen. Dazu ein Eifeler Landbier aus einem weißen Porzellankrug und die Welt ist  in Ordnung. Schon beim Betreten wird Jakob freudig begrüßt.
„Hallo mein kleiner Freund. Wie geht es dir, Jakob?“

„Gut geht’s mir und dir?“
Die Antwort wird erst gar nicht abgewartet und sofort nachgesetzt.
„Wir sind jetzt wieder hier für ein paar Tage. Weißt du ich hatte Geburtstag und meine Mama auch, und meine Brüder. Mein Vater der hat erst in ein paar Tagen! Stimmts Mama? Dann kommen auch meine Brüder!“
„Nein, nur dein ganz großer Bruder kommt mit Freundin“ korrigierte ihn seine Mama.
„Achemmm jaa , also dann kommt der Markus und die Juliane!“
Jakobs Mama wusste was kam und hatte schon mal auf Vorrat gegrinst.
„Wie heißt dein ganz großer Bruder?“
„Sag du Mama!“
„Mannoooo Jakob… dein ganz großer Bruder heißt David. Und der jüngere deiner großen Brüder heißt Markus.!“ Setzte jetzt Jakobs Papa nach.
Seltsamerweise verwechselt Jakob grundsätzlich die Namen seiner Brüder. Der Grund hierfür wird wohl ewig unentdeckt bleiben!
Die Besitzerin des „Brauhaus“ schaute ihren Jakob interessiert an. Sie kannte den Kleinen Mann schon seit fast 7 Jahren, also schon kurz nach seiner Geburt. Auch damals sind die Drei schon gerne nach Bad-Münstereifel in Kurzurlaub gefahren, weil es hier so schön beschaulich und nett ist, und weil man hier eben auch lecker essen kann. Mittlerweile kennen sie hier auch schon ganz viele Leute, nur den Heino, den haben sie noch nicht kennengelernt.
Als Jakob damals ungefähr ein Jahr alt war und er auf zwei wackeligen Beinchen den ganzen lieben langen Tag die Welt erkundete, da kam auch schon mal “Kaka“, wenn es nicht gerade passend war.
Ein solcher unpassender Moment war, als Seine Mama und sein Papa damals im Brauhaus saßen, bei einem leckeren Glas Landbier für Mama  und einem Humpen würzigem Schwarzbier für Papa, frisch gebraut aus eigener Herstellung.
Jakob wuselte zwischen den Beinen seiner Lieblingswirtin umher und begrüßte jeden Gast persönlich. Als Jakobs Papa von seinem Teller mit gebratener Blut- und Leberwurst auf einem Bett von mildem Sauerkraut aufschaute, sah er Jakob ganz ruhig am Nachbartisch stehen. Beide Händchen hielten die Tischkante fest im Griff. Der Blick war starr nach vorne gerichtet und der kleine Körper in Hohlkreuzhaltung erstarrt. Als dann noch ein leises aber wohliges „mhahh“ zu hören war, wanderte  Jakobs Papas Blick von seinem Kleinen hin zu seinem mit Leckereien belegten Teller.
„Du gehst, <Stech>“, sagte Jakobs Papa schnell zu Jakobs Mama.

Dieses <Stech> war noch ein Rudiment aus vergangenen Kindheitstagen von Jakobs Papa. Beim Kartenquartett-Spielen musste derjenige, der eine Zahl nannte (z.B. PS seines Autos auf der aktuellen Quartettkarte) schnell das <STECH> hinterhersagen, denn wenn der Spielpartner die gleiche PS-Zahl auf seiner Karte hatte und das <Stech> schneller rief, so hatte dieser die Runde gewonnen. Das <Stech> eroberte damals dann auch andere Bereiche des täglichen Lebens. So stand Jakobs Papa ständig in Konkurrenz mit seiner älteren Schwester. Besonders wenn es um das Abnagen von Kottelet-Knochen  ging, entbrannte unweigerlich ein hartnäckiger Zweikampf.
„Erster Abnager <STECH>“ rief dann Jakobs Papa, damals noch ein Kind.
„Erster “Kottelet-Knochen-Abnager“ <STECH>.   Das ist mein Knochen“, konterte Jakobs Tante die damals immer noch ein paar miese Tricks im Ärmel hatte.
„Nein Meiner. Ich habe zuerst <STECH> gesagt.“
„Aber Du hast nur –Abnager- gesagt und ich Kottelet-Knochen-Abnager! Du kannst ja die Bohnen abnagen!“
Man braucht nicht zu erwähnen, dass Jakobs Papa hierbei allzu oft den Kürzeren zog. Seine Widersacherin war nicht nur älter, sondern auch ein typisches Mädchen. Denn während er noch damit beschäftigt war das Würgegefühl bei dem Anblick der noch auf seinem Teller befindlichen Bohnen zu unterdrücken, hatte seine Schwester auch schon zugelangt, und der Knochen war weg.
Das Spiel wurde später dann ausgeweitet. Die beiden warteten dann nicht mehr, bis ein abgegessener Knochen mit Fleischresten daran übrig blieb. Noch bevor der Fleischteller  endgültig auf dem Tisch stand, hatten die Zwei bereits die besten Stücke unter sich „ausgeSTECHT“.  Der Leittragende war dabei weniger Jakobs Papa, sondern Jakobs Papas Papa. Der guckte dann immer ganz blöd, weil für ihn nur das Fitzelstückchen übrig geblieben war. Und da er sich auch nicht traute, seinen Kindern die guten Stücke streitig zu machen, hatte er eben die schlechteren Karten. Und so konnte Jakobs Papa schön groß und stark werden und seinem kleinen Jakob schon mal die Hose sauber machen.

„Nein, Du gehst!“ konterte Jakobs Mama „<STECH>“ (Jakobs Papa dachte in diesem Moment, dass man auch der geliebtesten aller Personen nicht alles erzählen darf – zu dumm dass Jakobs Mama von <STECH> wusste.)
„Och … guck doch. Ich habe gerade mein Essen bekommen. Und jetzt ist es noch warm. Und wenn ich erstmal in die Windel geguckt habe, könnte es sein, dass ich bei der argen - rein optischen - Ähnlichkeit zwischen dem Zeug in der Hose und dem auf meinem Teller vielleicht keinen Appetit mehr habe!“
Jakobs Mama schaute jetzt ihren Göttergatten ganz lieb an. Mit so einem Blick, den jeder Mann kennt und dem die meisten dann auch prompt erliegen.
„Ach komm, mein Schatz und außerdem kommt da mein Flammkuchen. Der muss auf jeden Fall heiß gegessen werden. Also…“ Dabei unterstrich sie das Gesagte nochmals mit DEM ultimativen Augenaufschlag.
Wie fremdgesteuert stand Jakobs Papa auf, nahm seinen Kleinen hoch und zog einmal tief Luft durch die Nase. Die Situation bedurfte keiner weiteren Erklärung.
„Wo kann ich dem Kleinen eine reine Hose mache?“ War seine Frage an die nette Kellnerin die gerade mit einer Ladung Bier um die Ecke kam.
„Oh..“ sagte sie mit nachdenklicher Mine. Einen Wickelraum haben wir nicht und auf Toilette ist zu wenig Platz.“
Bei Jakobs Papa fing es an zu arbeiten. Seine Augen suchten das Lokal ab. Hier musste es doch irgendwo einen Platz geben an dem man einem ein-einhalb Jährigen eine reine Hose machen kann.  Aber hier gab es nur die Küche, die Theke, und ganz viele Gasttische, die auch bis auf wenige Ausnahmen voll besetzt waren.
Ganz hinten wurde der Gastraum durch deckenhohe  Kupferkessel begrenzt, und wenn Jakobs Papa das richtig sah, gab es dahinter noch eine zweite Reihe. Das schien die einzige Möglichkeit. Sofort steuerte Jakobs Papa mit der Stinkbombe auf dem Arm durch den Gastraum, vorbei an Gästen, die sich genüsslich ihren servierten Speisen und Getränken widmeten.
Bingo, zwischen zwei Kesselreihen war gerade so viel Platz, dass man vor den Blicken der Gäste geschützt ans Reinehosemachen gehen konnte.
Ein kurzer Blick zur Kellnerin, ein kurzes Nicken, Genehmigung erteilt! Dann ein zweiter Blick zur Kellnerin, diesmal mit ratloser Mine und einem kurzen Deuten auf den kahlen Boden  und ein verständliches Nicken. Kurze Zeit später kam ein Kollege angerannt und brachte Jakobs Papa ein paar Kartons und ein Handtuch, damit der kleine Hosenscheißer nicht auf dem kalten Boden liegen musste.
Beim Öffnen der Windel versuchte Jakobs Papa so wenig wie möglich zu atmen. „Hoffentlich bekommen die anderen Gäste nichts mit!“, hoffte er inständig.
Nachdem ihm ein weiterer Kellner die in der Eile vergessene Windel und das sonstige Windelwechselequipment gebracht hatte, konnte das Werk vollendet werden. Anschließend sah man einen ausgesprochen gut gelaunten kleinen Jakob zwischen den riesigen Kupferkesseln auftauchen, um erneut das Brauhaus mitsamt allen Gästen in Besitz zu nehmen. Bei Jakobs Papa dauerte das Auftauchen etwas länger. Bei der Enge musste der arme Kerl sich ganz schön verrenken und somit brauchte es eben seine Zeit, bis wieder alle Muskeln aus der Verkrampfung befreit und alle Knochen neu sortiert waren. Aber letztendlich kam ein stolzer Papa zurück zu seinem Teller, der geduldig auf ihn gewartet hatte. Der Inhalt des Tellers war allerdings weniger geduldig gewesen und hatte sich in der Zwischenzeit aus dem Staub gemacht.
„Keine Sorge mein Schatz, ein frischer Teller ist unterwegs.“ Und so haben die Beiden sich erstmal zugeprostet und Jakobs Papa genoss ein wenig die Bewunderung seiner Frau für die Windelwechsel-Glanzleistung. Männer sind ja so einfach zufriedenzustellen!
Hier geht es zum Schluss der Geschichte: Teil4
Kategorien: Jakobs Tagebuch | 3 Kommentare

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Bonjacque die schönen Seiten am : Geburtstag, Auto und sonstige Katastrophen (Teil4)

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Nach Auto und sonstigen Katastrophen kann Jakob den Geburtstag seines Papas nicht mehr abwarten. Wer wissen will, welche Freude es bereitet zu schenken, der braucht nur ein Kind dabei zu beobachten. Das ist der Schluss der kleinen Geschichte. Willst Du w

Kommentare

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Schwester am :

Also, kann ich als Schwester meinen Bruder auf Unterlassung der Preisgabe von familiären Details (die seine ältere Schwester alt aussehen lässt) verklagen? Ich muss mal meine Anwältin fragen :-)

Werner Leusch am :

Ich hab den Anwalt! STECH :-)

Hannelore am :

Boahhhhhhhhh ........... und sowas erzählst Du uns an einem schönen Montag-Morgen ? ..................andererseits ? Ja "diese Geschichte" macht sich doch um beim Essen weiterhin "zurückhaltend" zu bleiben, also erzähl weiterhin über ähnliche Missgeschicke und ich bin zu Weihnachten (spätestens) rank und schlank ........ ;-) :-D :-D

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