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Schliebmich? Tag -X + 2

Und immer wieder kommt der Montag und mit ihm das Büro und mit dem Büro die Kollegen. Der einzige Trost ist: "Nach dem Wochenende ist vor dem Wochenende!"

6:30 Uhr
Habe heute dem Ruf der Waage erfolgreich widerstanden. Der Käse gestern war klasse, der Wein perfekt dazu und der letzte Bulle mal wieder richtig was für’s Gemüt eines Mannes und das meiner Frau. Der sieht ja schon gut aus, der Kerl. Ich bemerke das auch an der Art wie meine Frau da guckt. So ein bisschen wie der sah ich auch mal aus. Ok, nicht ganz so verbeult, aber schon ….

Leugnen nutzt da nichts. Das sind eben unumstößliche Fakten. Aber wenn ich mich etwas zusammenreiße, dann sehe ich auch bald wieder so aus, nur besser!

Aber erstmal muss ich heute ins Büro. Wochenende ist Vergangenheit und zugleich Zukunft. Das ist das Schöne an Wochenenden, dass sie immer wiederkommen. Und gleichzeitig der Fluch, weil sie immer wieder enden, und zwar unerbittlich. Irgendwann habe ich aber mal gelernt, dass man das lieben soll was man gerade macht und besonders dann, wenn es unausweichlich ist. Also fahre ich gleich voller Liebe ins Büro und werde voller Liebe meine Kollegen begrüßen.

8:00 Uhr
„Hi Gregor“, höre ich mich sagen. „Alles klar soweit?“, fahre ich fort und weiß augenblicklich: Das war ein Fehler!
„Häää?“ erwidert Gregor auch prompt in der ihm typischen quietschenden Tonlage. Das Gesicht, das Gregor dabei macht, ist eine Mischung aus “Ich habe gerade in eine Zitrone gebissen“ und einseitiger Gesichtslähmung. Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Aber an sowas denkt man an einem Montag nicht unbedingt.
„Häää? Wie meinst du das?“, Pause. Dann fährt er fort, auch wie immer: „ Allllees?“
Ich bin ratlos, klar, was auch sonst! Ich schweige erstmal. Aber irgendwie lerne ich nie dazu. Ich breche also, naiv wie ich eben mal bin, das Schweigen: „Ich meine ja nur…., also,“, beginne ich noch mal von vorne: „ich hoffe Du hattest ein schönes Wochenende, und Dir geht es gut!“.
So das war jetzt also raus. Standardmäßig hätte Gregor jetzt pauschal mit „jooo soweit alles ok“, antworten können. Tut er aber nicht!
„Wenn Du meinst, dass alles in Ordnung ist, wenn man ins Büro kommt und die Zimmerpflanze (der unvermeidliche Büro-Fikus) wurde einfach so umgestellt und das Fenster ist offen, dann ja. Aber es ist nicht alles in Ordnung. Ich habe die Pflanze wieder zurückgeschoben und das Fenster geschlossen.!“
Das war deutlich, und eindeutig noch dazu. Ich schaue Gregor ins Gesicht und stelle fest; er sieht aus wie immer. Haare fettig wuselig und ohne wirklichen Schnitt. Zwischen den Pockennarben entdecke ich neue Pickel die Freitag noch nicht da waren, aber sonst in der Menge nicht weiter auffallen. Auf der Nase kämpft die 20 Jahre alte Hornbrille gegen die Schwerkraft und hängt wie üblich irgendwie schief. Der Nylon-Rollkragenpulli ist auch der selbe wie Freitag und die Tage davor.
„Ok….“, denke ich: „Auch diesen Tag wirst Du überleben!“

Kategorien: Aus meinem Leben | 0 Kommentare

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