Skip to content

Was kostet die Welt.

Ich darf das! Im Fernsehen gibt's ja auch andauernd Wiederholungen.
Und das hier ist eine meiner Lieblingsgeschichten! Wenn ich mich über Belangloses ärgere, ist sie die richtige Medizin!

Eine Geschichte über "Haben", "Hätte Gern" und "Gehabt Haben"

Eigentlich hatte er für mich recht gut angefangen, der Tag. So war ich bereits zwei Minuten vor meinem Wecker wach. Und ehe das Ding auch nur einen seiner kläglich nervenden Laute von sich geben konnte, hatte ich ihm bereits den Saft abgedreht. 

„Schön, wenn ein Tag so anfängt“, dachte ich. Noch etwas verschlafen schälte ich mich aus dem Bett,

schaute kurz nach der besten Mama, die ich mir für meinen kleinen, siebenjährigen Rabauken Jakob vorstellen konnte, um dann genau diesen Rabauken für die nächsten zwei Stunden Schlaf zuzudecken. Wie so oft lag der kleine Mann auf dem Rücken, völlig aufgedeckt, alle Viere von sich gestreckt und den Kopf leicht über den Wulst des Kopfkissens nach hinten gedehnt. So konnte man meinen, Jakob würde die Energie der Welt empfangen.  Ich blieb noch eine ganze Zeit stehen und schaute meinem schlafenden Jungen ein klein wenig verliebt an. Dieser kleine Mann, so schien es mir, kannte noch keine Sorgen. Die Gewissheit, dass es leider nicht immer so bleiben, dass das Glück auch schonmal einen Knick bekommen würde, machte mich etwas traurig. Bei dem Gedanken an die unvermeidbaren Stolpersteine im Leben kam mir dieser junge Mann in den Sinn, den ich oft mittags sah, wenn ich, um meinen Kopf von den Problemen der Arbeit frei zu bekommen, meine Runde durch die Stadt drehte. 

Da saß dieser junge Mann dann meistens auf den Stufen der Sparkasse, absolut verdreckt, zusammengeklappt und scheinbar fröstelnd, auch bei angenehmen sommerlichen Temperaturen. Die Knie hatte er in der Regel nah an seinen Brustkorb gezogen und den Kopf, einen letzten Rest Würde demonstrierend, starr nach oben gereckt. Sein Blick verirrte sich irgendwo im Nirgendwo und sein ganzer Körper wippte zu einer Melodie, die nur er kannte. Und jedes Mal, wenn ich den jungen Mann dort sitzen sah, stellten sich mir die gleichen Fragen nach dem Warum. Irgendwann stand dieser Kerl mal richtig im Leben, hatte keine kaputten Schuhe an und keine zerbeulte Blechdose, in die sich gelegentlich mal ein Cent Almosen verirrte, neben sich stehen. Wo war die Weiche in seinem Leben gewesen, an der er die falsche Spur genommen hatte? Wo und womit hatte er sein Schicksal zum Arschtritt bewogen? 

 

bald geht es hier weiter

Kategorien: Aus meinem Leben | 2 Kommentare

Beitrag Freunden empfehlen
  • Facebook

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Sara am :

Eine absolut Herzerwärmende Geschichte! Toll und gefühlvoll geschrieben wie immer!!! Ich freue mich schon auf die nächsten.

Polo Ralph Lauren am :

Your way of telling all in this piece of writing is in fact fastidious, all can effortlessly understand it, Thanks a lot.

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!