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Schliebmich?! Terminzwang

Die Niesattacken meines Kollegn sind überstanden, da gilt es bereits einen Termin beim Chef wahrzunehmen. Schlimmer kann ein Tag nicht beginnen!

Das geschah bisher

10:00 Uhr
Ich habe mir, soweit es geht, nichts anmerken lassen. Die Türklinken habe ich auch schon abgewischt. Ich habe die Gelegenheit ergriffen, als Gregor den Kamillentee, den ich ihm liebevoll aufgegossen hatte, weggebracht hat.

Ich packe meine Unterlagen zusammen und begebe mich auf den Weg zu meinem Chef ins Büro. Der Kerl ist ein Phänomen. Er erscheint jeden Morgen in bester Laune, geschniegelt und gestriegelt im Büro. Ist super sportlich und geht irgendwann (abends?) wieder nachhause und keiner weiß wo er in der Zwischenzeit war. Gelegentlich gibt sein Handy Zeugnis darüber, dass er zumindest anwesend ist. Dann hört man es die Melodie spielen „Ich hab die Haare schön, ich hab die Haare schön, ich hab die Haare wunderschön!“ Vor ungefähr 3 Wochen hatte ich bereits um einen Termin gebeten um ein paar Kleinigkeiten absprechen, damit ich nicht alles doppelt und dreifach machen muss, denn mein Chef hat seine eigenen Vorstellungen von gut und richtig! Die korrespondieren nicht unbedingt mit den meinen. Da der liebe Mann aber immer wahnsinnig beschäftigt ist, hat er mich gebeten, mich selbst in seinen Onlinekalender einzutragen. Habe ich dann auch gemacht, und da war eben erst eine freie halbe Stunde in 3 Wochen buchbar. Davor waren lauter so wichtige Termine, wie:
9:30 – 10:00 Uhr Frühstück mit Jutta
10:15 – 12:00 Vorstandsmeeting
12:00 – 12:45 Uhr Mittag mit Gerda
13:00 – 14:00 Uhr Wohnungsbesichtigung
14:30 – 16:00 Uhr Mit Achim in die Sauna
16:00 – 16:30 Uhr Mit Gerd Kaffee trinken im L’ Espresso
16:30 - Ende offen : geblockt

Nächster Tag
9:30 – 10:00 Uhr Frühstück mit Jutta
10:00 – 11:30 Skaten mit Regina
11:30 – 12:00 geblockt
12:00 – 13:00 Treffen mit Marion im La Strada
usw.
Ob er weiß, dass man die Termine auch als „PRIVAT“ markieren kann?

10:30 Uhr
Wie erwartet, korrespondiert da heute gar nichts. Mittlerweile ist der liebe Mann so unfreudig erregt, dass ich nur bewundernd beobachte wie sein Gesicht eine leicht rosa-rote Färbung annimmt. Die Sonne bricht durch die Wolken, die bis eben noch von Regen zeugten und erhellt das Büro mit gleißendem Licht. Wie ein HB-Männchen hüpft er im Büro auf und ab.
Das Haarwachs hat zwischenzeitlich den Dienst quittiert, und seine Stirnlocke entwickelt im Rhythmus seiner Schritte ein seltsames Eigenleben! Ich überlege, ob vielleicht Gerda, Regina oder gar Marion Zicken gemacht hat und beschließe im Anschluss an das Gespräch noch mal in seinen Kalender zu gucken.
„Neee, so geht das nicht. Du kannst hier nicht machen was du willst.“, verlautbart er unüberhörbar. Ebenso unübersehbar sind die kleinen Tröpfchen, die im gleißenden Sonnenlicht wie kleine Diamanten funkelnd zu Boden sinken.
„Hoffentlich ist er nicht auch erkältet!“, denke ich. Meine Gedanken schweifen ab und ich höre den Tröpfchenmacher wie aus weiter Ferne. Erst ein lauter Knall holt mich wieder ins Hier und Jetzt. Mein Chef hat mit der Handfläche auf die Tischplatte gehauen, um seinem „Und das machst Du jetzt genau so!“ den nötigen Nachdruck zu verleihen.
Ich zucke hoch, schlage ebenfalls auf die Tischplatte, nur lauter und sage etwas zu laut und vernehmlich: „Jawoll, so mach ich das!“, verlasse sein Büro und dabei rutscht mir die Tür leider sehr geräuschvoll aus der Hand.
Der Flur füllt sich schlagartig mit Kollegen und in einigen Büros höre ich aufgeregtes Gemurmel.
„Das ist wie im Zoo“, denke ich. „Wie wenn man eine Böller Pavian Gehege wirft. Der zweite Gedanke nach dem Rumms ist, dass ich jetzt erstmal Mittag machen werde. Oben beim Thailänder um die Ecke. Schön scharf, dass es mir die Kopfhaut nass schwitzt. Ja genau das brauche ich jetzt!

Kategorien: Aus meinem Leben | 0 Kommentare

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