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Gift-Zwiegespräch

Wieviel Gift ist tödlich?

"Papa, da liegt ein toter Fisch im Wasser!"
"Dann lass ihn bitte liegen und spiele nicht damit herum!"
"Papa, der sieht aber ganz normal aus. Warum ist der denn gestorben?"
"Keine Ahnung, warum und woran der gestorben ist. Vielleicht hat er etwas gefressen, was giftig war oder einfach nur so, weil er eben alt und für ihn die Zeit gekommen war"
"Ist das Wasser denn giftig?"
"Nein, ich denke nicht. Das Wasser wird in Ordnung sein, sonst lägen da noch mehr tote Fische herum. Ich glaube, dass er verletzt war und ein Pilz oder eine Infektion ihn geschwächt hat.“

Jakob stocherte mit einem kurzen Stock weiter am Fisch herum. So eine Leiche kann schon ungemein interessant sein. Für Väter weniger, für kleine Jungs schon, zumindest solange es sich um einen stinkenden Fisch dreht.
„Jetzt lass mal den Fisch in Ruhe, und fasse ihn auf keinen Fall an!“ ermahnte ich ihn
„Warum darf ich ihn denn nicht anfassen?“

„Der Kadaver ist voller Keime und Bakterien und Leichengift. Ich möchte nicht dass du diesen Dreck an die Hände bekommt.“
"Papa, Was ist Leichengift,"
"Böse Frage, das sind Stoffe die sich bilden, wenn ein gestorbenes Lebewesen von Bakterien zersetzt wird."
"Ist das denn giftig?"
„Ja schon, es könnte schon unangenehm werden!“
„Wie giftig ist das denn?“
"Wie giftig das ist, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall würde es Dir nicht unbedingt gut bekommen!"
"Kann man davon sterben?"
"Ich denke ehr nicht, aber Durchfall kriegt man bestimmt davon!"
"Wieviel muss ich denn davon essen, um tot zu sein?"
"Du willst das doch garnicht essen. Also warum die Frage?'
"Papa, beantworte mir doch einfach meine Frage!""
"Ok, um davon zu sterben, musst Du soviel essen, wie garnicht in deinen Bauch reinpasst!"
"Und wieviel ist das?"
"Ohh Jakob, woher soll ich wissen, was so in Deinen Bauch passt. Viel, du kleine Fressmaschine, das ist klar, aber ich habe keine Ahnung, wieviel ganz genau. Aber das spielt auch keine wirkliche Rolle, da Du mit Sicherheit vorher kotzen müsstest, weil das so abscheulich schmeckt!"
„Woher weißt du, dass das abscheulich schmeckt? Hast Du das schonmal probiert….. und auch überlebt?“
„Um Gottes Willen. Das stinkt doch so, dass man gar keine Lust zum Probieren hat!“
"Sterbe ich denn dann nicht, wenn ich kotzen muss?"
"Nein, ganz sicher nicht"
"Papa, mir ist etwas übel ich….."
"Nein, musst Du nicht. Du hast nichts von dem Fisch gegessen!"
"Aber ich habe ihn vielleicht berührt!"
"Nein, hast Du nicht, das habe ich gesehen!"
"Aber das Wasser da herum um den Fisch!"
"Ok, das Wasser, aber das macht Dich jetzt nicht krank. Kann ja auch nicht, hast es ja nicht getrunken!"
"Und wenn ich den Finger am Mund hatte?"
"……dann stirbst Du auch nicht. Glaube mir, alles ist in Ordnung!"
"Ok Papa, dann können wir jetzt bitte fahren!"
Jakob brach die Unterhaltung ohne weitere Verzögerung ab und war bereits auf dem Weg zum Auto.

Wir fuhren also los und nach 10 Minuten, bei einem Blick in den Rückspiegel, sehe ich ihn hinten sitzen wie er beide Hände in die Höhe hält.
"Was machst Du da? Warum hältst Du die ganze Zeit die Hände hoch?"
"Ach nichts Papa. Fahr einfach weiter!"
Kurzentschlossen wurde dann per väterlicher Entscheidungswillkür bei der nächsten Restauration angehalten.
„Papa, warum hältst Du an? Du sollst nicht anhalten, du sollst weiterfahren!“
„Doch, ich muss anhalten, weil wir zwei jetzt aussteigen werden und …“
„Du kannst ja aussteigen. Ich bleibe sitzen!“, dabei hielt Jakob die Hände krampfhaft hoch.
„Ich habe aber das Gefühl, dass wir uns besser die Hände waschen sollten. Bis zuhause ist es noch weit und nachher fassen wir noch etwas an und dann …. Wir wollen ja kein Risiko eingehen. Mit Gift muss man eben vorsichtig sein!“
„Ok, wenn es unbedingt sein muss!“, dabei tat er so als würde er seinem ängstlichen Vater einen großen Gefallen tun.
„Aber Du hältst mir die Türe vom Auto auf!“
„Klar, sollst ja nichts unnötig anfassen!“

Nach einigen Minuten und mehrere Handwaschungen später gingen wir wieder zum Auto zurück.
"So, jetzt ist aber wirklich alles in Ordnung!"
"Hochhh… Papa, man muss sich die Hände desinfizieren. das weißt Du doch auch. Das haben wir am Tag der offenen Tür im Klinikum gesehen... Papa!", antwortete der Kleine Mann etwas ungehalten.
"Ok, dann sprüh Deine Hände hiermit ab!“ Dabei hielt ich ihm eine kleine Sprühflasche, die ich zur Erfrischung im Auto liegen hatte, entgegen.
„Und reibe die Hände aneinander wie Du es gelernt hast, damit sich das Desinfektionsmittel überall verteilt! Und denke auch an die Stellen unter den Nägel und ans Nagelbett"
"Ist das ein Desinfektionsmittel? Da steht ’Acqua- deo...’ ach irgend sowas drauf?
"Ja, das ist das stärkste Desinfektionsmittel, das man bekommen kann. Und dann auch nur, wenn man es heimlich macht. Weil eigentlich darf das keiner haben, so stark ist das!"
„Aber Du darfst das haben, ne Papa?!“ Da klang jetzt echter Stolz mit. Sein Papa…!

Nach weiteren 5 Minuten war das Thema dann endlich Geschichte. Allerdings hat er tagelang nur ganz fein mit Messer und Gabel gegessen; Risiko . . . logisch!

Kategorien: Jakobs Tagebuch | 1 Kommentar

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Auguste am :

So ein Dialog zwischen Sohn und Vater hat was. Danke dafür

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