Skip to content

Sternsinger Rudi (Aus dem Archiv aber dennoch aktuell)

Den Beitrag hatte ich bereits 2014 im Blog, aber heute ist wieder Sternsinger-Empfang im Rathaus unserer Stadt!

Sternsinger-Empfang im Eschweiler Rathaus, so viele Könige auf einem Haufen, das muss man gesehen haben. Schaut man mal weg von den Umhängen und Kronen und vergisst den ganzen Schmuck und die Verkleidungen, so entdeckt man lauter kleine Kindergesichter, die einen Stolz, eine Wichtigkeit ausstrahlen, dass einem das Herz weich wird.

Einer der stolzesten und mit Sicherheit wichtigsten kleinen Könige ist natürlich mein 8jähriger Jakob. Nach dem Film über das unterstütze Projekt in Malawi gibt es für den kleinen Ehrenmann nichts was einen höheren Stellenwert beanspruchen könnte, als genau das. Hilfe für Bedürftige konkret, sichtbar für Menschen, die aus ihrer Anonymität in die Welt getragen wurde. Durch einen kleinen 30-minütigen Film aus der Region Malawi, gedreht im Flüchtlingslager mit Kindern so alt wie mein Kleiner. Nicht plakativ anklagend, leidend und jammernd sondern lebensfroh und Hoffnung und Dankbarkeit ausstrahlend, als Anregung und Dank für eine Hilfe die ein kleines Stück Zukunft schenkt.
„Papa, der Film war toll!“ frohlockt er, als ich nach der Vorführung zurück in den Saal komme. Anschließend erzählt er alle Einzelheiten des Films, wie das Leben im Flüchtlingslager abläuft, dass Kinder erzählt haben, dass ihre Eltern umgebracht wurden und sie jetzt alleine hier leben und überleben, wie die Sternsinger-Spendengelder verwendet werden und und und. Schrecklich aber nicht schockierend, für Jakob hat seine Hilfe, sein bei Wind und Wetter gezeigter Einsatz Gesichter bekommen, Gesichter aus dem Film vom weit entfernten Malawi direkt aus dem Flüchtlingslager. Und die Hilfe hat ein Lied, eine wunderbare Melodie. Und dieses Lied ist unter einigen anderen auf einer CD in 2 Versionen verewigt.
Und diese CD wandert später auf dem Nachhauseweg zuerst in den CD-Player im Auto, anschließend in Jakobs kleinen Ghettoblaster und dann, man möchte ja auf diesen Song auch beim Essen nicht verzichten, in den CD-Player im Wohnzimmer.

Im Rathaus, noch im vollen und mit einigen Senfflecken der von der Stadt ausgegebenen Wiener-Würstchen verzierten Sternsinger-Königsornat, läuft Jakob schnurstracks aufs Podium zum Bürgermeister und zupft an dessen Jacken-Ärmel.
„Du, Rudi“, höre ich ihn sagen. „Mein Papa will noch ein paar Fotos von mir mit Dir machen.“
In Eschweiler gibt es seit Menschengedenken nicht nur ein kleines Flüsschen, die Inde, sondern auch Rudi Bertram als Bürgermeister. Dieser Mann gehört zu Eschweiler wie besagte Inde. Egal wo er auftaucht, er macht immer den Eindruck, dass er gerne gekommen ist. Dabei ist es unerheblich, ob es irgendein Ausschuss zur industriellen Förderung der Stadt oder der Brieftaubenzüchterverein, der Neujahrsempfang der Pfarre, der Eschweiler-Läufertreff oder die Sternsingerveranstaltung ist, zu denen er erscheint. Rudi Bertram ist selbstverständlich und mit Freude dabei.
König Jakob steht nun demonstrativ und penetrant um Beachtung nachfragend neben Rudi und zupft an dessen Jackett herum. Der Bürgermeister beugt sich tief hinunter und fragt interessiert nach, worum es denn gehe.
„Mein Papa will noch ein paar Fotos von uns machen, so als Beweis dass ich hier war. Denn in ein paar Jahren will ich Dich ja ablösen.“
Der Bürgermeister ist etwas erstaunt aber durchaus bereit sich auf das Fotoschooting einzulassen.
„Du, Jakob, Du kannst den Herrn Bertram doch nicht einfach duzen!“, ermahne ich meinen König pflichtbewusst.
„Doch Papa, das geht schon klar, nichtwahr Rudi!“ erwidert Jakob ansatzlos und mit der für ihn typischen Handbewegung.
Ich bin beruhigt. Rudi nickt!
„Der Bürgermeister hat eben gesagt, dass wir ruhig „du“ zu ihm sagen dürfen!“ legt Jakob nach.
Das alles geschah noch im vollen Ornat. Zehn Minuten später steht Jakob in Zivil vor seinem Bürgermeister Rudi Bertram. Bei näherer Betrachtung seines erwachsenen Kollegen kommt ihm der Gedanke, dass es zwecks späterer Wahlkampfkampagnen zur Bürgermeisterwahl dienlicher wäre, wenn er und „Rudi“ in Zivil auf dem Wahlkampffoto zu sehen wären. Jakob im Sternsingeroutfit mit Krone, da muss man schon genau hinsehen um ihn zu erkennen, also Wahlkampftechnisch eher kontraproduktiv.
„Ich brauche noch ein Foto von uns beiden!“, höre ich ihn sagen, während er wieder auf dem Podium neben dem noch amtierenden Bürgermeister steht und an dessen Ärmel zupfend Beachtung einfordert.
„Du hast doch schon Fotos von uns!“, antwortet der Bürgermeister lächelnd.
„Ja schon, aber das war als König. Jetzt brauche ich noch eins in „normal“ ohne Königkleider. Man soll mich doch wiedererkennen können!“
Auf dem Nachhauseweg sinniert Jakob laut: „König ist toll, hmmm, aber Bürgermeister ist auch ein cooler Job!“


Hier der Beweis:

mehr in der Galerie


Kategorien: Angepinntes | 0 Kommentare

Beitrag Freunden empfehlen
  • Facebook

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!