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Hörprobleme 2

Eine kleine Schilderung eines Gesprächsverlaufs, wenn das Wetter mal wieder gekippt ist.

Zu allem Überfluss kommt Gregor heute etwas früher als sonst. Also keine Chance für mich meine Montagswunden zu lecken!
Ich sage: „Moin Gregor!“
er: „Hä?“
Ich „Moin GREGOR!“ diesmal lauter, denn Gregor ist voll schwerhörig. Den sollte ich mal zu meinem HNO-Arzt schicken.

Er erwidert: „Guten Morgen Werner“.
Also nix mit Moin, nein, er tut betont eloquent „GUTEN MORGEN Werner“
Ich nehme mir vor, mich auf keine Diskussion einzulassen, heute nicht.
Gregor steht jetzt im Büro, halb mir, halb der Tür zugewandt. Man weiß also nicht was er als nächstes beabsichtigt zu tun, er wahrscheinlich auch nicht. Ich beschließe ihm nicht dabei zu helfen und schaue ihn freundlich an.
„Hat Raier Ulau?“ nuschelt er und grinst dabei unsicher.
Weder die Mimik, Körperhaltung, noch das was ich verstanden habe, lässt Rückschlüsse auf die Bedeutung des Gesagten zu.
Ich frage also höflich nach: „Was meinst Du?“
„Kaotte?“ sagt er mit der Betonung als würde er eine Frage stellen.
Ich beiße in meine Möhre, die ich schon ein paar Minuten in meiner Hand drehe. Dabei überlege ich, was Gregor wohl gemeint haben könnte. Ich probiere es einfach mal: „Neee“, sage ich. „heute noch kein Chaos!“
Er winkt ab: „So gro ise au nich“
Ich: „Wer ist nicht so groß?“
Er: „Kaotte, Möhe!“
Ich ergänze die bei mir angekommenen Laute und es bilden sich langsam richtige klare Worte: „Karotte, Möhre“, sage ich in Gedanken. Gregor freut sich, das merkt man an der Körperhaltung und dem leichten Nicken des Oberkörpers, rauf, runter, rauf, runter. Der Rest von Gregor bleibt weiterhin absolut bewegungslos.
Ich sage: „lecker“. Er freut sich wieder. Die Kommunikation kommt langsam in Gang.
„Gehs gut?“ fragt er. Diesmal bin ich es, der dämlich grinst. Ich habe verstanden. Er meinte, ob es mir gut gehe. Irgendwie bin ich erleichtert und überlege, ob ich die Verordnung für ein Hörgerät einfach wegwerfen soll!
„Gun apffetit“, sagt Gregor und wieder ist nicht zu erahnen, was er gesagt haben könnte. Seine Gestik, Mimik und Körperhaltung schweigen.
Ich schweige ratlos und starre Gregor an, in der Hoffnung dass mir irgendwas an ihm verrät, was er gemeint haben könnte.
„Gregor hat Dir einen guten Appetit gewünscht!“
Ich fahre herum und hinter mir steht Rainer und grinst mich blöd an. „kauft Euch mal ein Hörgerät“, sagt der Doofmann provokant.
Ich bin zwar der Meinung, Gregor braucht eher einen Logopäden, beschließe jedoch noch bis morgen zu warten. Nur mal sehen wie’s Wetter wird!
Vor meinen geistigen Auge sehe ich meine geliebte High-End HiFi-Anlage in der "Bucht" und im "Audio-Gebrauchtmarkt" als Inserat: „Komponenten vom Allerfeinsten wegen Schwerhörigkeit abzugeben!“ Mir kommen fast die Tränen!
Kategorien: Aus meinem Leben | 0 Kommentare

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