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Von Sehnsucht und Heimweh

Eine wahre Begebenheit die mich sehr aufgewühlt hat!
Was haben ein kleiner 9 Jahre junger Junge und eine gebürtige Iranerin so um die 40 Jahre gemeinsam? Zwei grundverschiedene Menschen, zwei grundverschiedene Ereignisse aber das gleiche Gefühl in der Seele. 

Auf dem Auswandern ruht der Fluch ewiger Heimatlosigkeit. - Carmen Sylva

Es ist Samstag und glühend heiß. Es dürfte gerne seine 32° bis 35° haben. Dabei ist es noch schwül, und es bewegt sich kein Lufthauch. Jakob unser 9jähriger Bengel ist seit gestern in das sogenannte Pfingstlager der Pfandfinder vom Stamm Hohensteiner gefahren. Sein erster Ausflug allein ohne Mama und Papa und ohne „spezial Kinderbetreuung“. Zuvor hat sich Jakob zu seiner Kinderkommunion Ausrüstungsgegenstände schenken lassen. Angefangen bei der Isomatte über Schlafsack, Rucksack bis hin zum Pfadfinderhut, den er von seinem Patenonkel, der gar nicht sein Patenonkel ist aber bald werden wird, geschenkt bekommen hat. Beim Abschied am Reisebus, angesteckt von der flirrenden Regsamkeit und Vorfreude des kleinen Trupps, hatte ich kurz angedeutet, dass auch ich vielleicht Lust hätte mitzufahren.
„Papa, kannst du machen; aber nur, wenn du mir nicht auf den Wecker gehst“, hatte Jakob meine Andeutung kommentiert. Ich habe dann diesen Gedanken ad acta gelegt und mich nicht weiter damit beschäftigt, dass es vielleicht auch so einem alten Sack wie mir noch mal richtig Spaß machen würde, bei Lagerfeuer und Naturromantik, begleitet von dem einen oder anderem Fläschchen Bier und Würstchen am Stock, über rauchendem Buchenfeuer die Seele auf Urlaub zu schicken.
Also daraus ist ja nun nichts geworden. Stattdessen sitzen Jakobs Mama und ich zuhause und durften gerade mal mit unserem Kleinen telefonieren. Der Anruf kam um 23:00 Uhr und erreichte uns nur, weil wir noch nicht schliefen und stattdessen endlich mal bei unserem Lieblingsitaliener gewesen waren. Die kinderfreie Zeit darf man ja nicht ungenutzt verstreichen lassen. Auch wenn Jakobs Mama nervös war und immer wieder die Frage stellte, ob es unserem Kleinen denn wohl gut gehe, hatten wir die paar Stunden ohne Kind genossen. Und dann kam der erlösende Anruf auf den wir eigentlich die ganze Zeit gewartet hatten. Also, telefoniert hat Jakobs Mama. Ich habe nur neugierig danebengestanden und mit spitzen Ohren zugehört, um mir zusammenzureimen was Jakob wohl gesagt haben könnte.
„Ja mein Schatz, wie gut geht es dir denn?“
Stille, Mama hört zu.
„Oh, das hört sich aber toll an. So mit richtig großem Lagerfeuer“
Stille.
„Ja, ich dich auch mein Schatz!“
Stille.
„Du, ich habe gerade in den Himmel geschaut und den dicken hellen Mond gesehen. Wenn du hochschaust, siehst du bestimmt auch den Mond.“
Bedrückende Stille.
„Das ist derselbe Mond, den wir beide sehen. Jetzt schauen wir uns beide den Mond an und schicken einen ganz lieben Kuss und Drücker zu ihm hoch!“
Stille.
Dann schaut mein Weib mich an und sagt mit der liebevollsten Stimme aller Stimmen: „Ja mein Schatz, der Papa hat auch den Mond angesehen und einen ganz dicken Papadrücker hochgeschickt.“
Stille.
„Wir haben deinen Kuss auch gespürt. Jetzt schlaf schön mein Schatz. Wir sehen dich dann am Montag!
Ich gucke meine Frau an, die vor Rührung ganz glasige Augen hat.
„Du hast Sehnsucht nach deinem Kleinen?“ frage ich sie.
Sie sagt nichts, nickt mit dem Kopf und steht auf, um uns ein gutes Glas leichten kalten Sommerwein und eine kleine Käseauswahl zu holen.
Ich glaube, wir werden wohl bis Montag noch verdammt viel Wein trinken und Käse essen müssen, so rein zur Beruhigung der Sehnsucht nach 140cm quirligen Lebens!

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Kategorien: Aus meinem Leben | 0 Kommentare

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Soviel zum gemeinsamen Mond und der Sehnsucht alleingelassener Eltern. Wir haben es überlebt, auch unser Kleiner. Bleibt nur die Frage nach dem WIEMontagEndlich, die Kinderschar ergießt sich wie träger Brei aus dem geöffneten Bauch des Reisebusses. Allen

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