Skip to content

Von Sehnsucht und Heimweh

Soviel zum gemeinsamen Mond und der Sehnsucht alleingelassener Eltern.
Wir haben es überlebt, auch unser Kleiner. Bleibt nur die Frage nach dem WIE

Montag
Endlich, die Kinderschar ergießt sich wie träger Brei aus dem geöffneten Bauch des Reisebusses. Allen ist es warm, viel zu warm und zu stickig. Da liegt was in der Luft, Abkühlung, Regen und Sturm, sehr viel Sturm und Blitze und Donner, aber bis dahin müssen wir uns weiterschleppen.  Dann sehen wir unseren Kleinen. Er geht langsam und bedächtig. Sein Blick ist starr auf den Boden gerichtet. Selbst als ich ihn anspreche schaut er nicht auf, sondern setzt sich mitten auf dem Weg auf seinen im Pfingstlager selbst hergestellten Pfadfinder-Klappstuhl.
„Schön, dass du da bist. Wir haben Dich sehr vermisst und konnten es kaum abwarten, dich wiederzusehen“, versuche ich an ihn heranzukommen.
„Lass uns nach hause gehen, Papa“, sagt er in niedergeschlagenem Ton.
„Ist alles in Ordnung mit dir? Ist etwas vorgefallen?“ Ich bin besorgt und schaue meinem Kleinen fest in die Augen. Sein Gesicht halte ich dabei in meinen beiden Handflächen und versuche es sanft so zu drehen, dass es mir zugewandt ist. Mein Blick erforscht seine Mimik und sucht nach Antworten in dem liebsten Gesicht auf der ganzen Welt.
„Papa, ich will nicht mit ins Sommercamp!“ murmelt Jakob unerwartet mit fester aber trauriger Stimme.
„Warum denn das?“ frage ich überrascht nach. „Hat es dir nicht gefallen?“
„Doch Papa, über Tag war es ganz toll, aber am Abend hat mich das Heimweh ganz traurig gemacht!“
„Ohhh mein kleiner Schatz, Heimweh ist doch ok, oder war es so schlimm..“, weiter kam ich nicht, weil Jakob mir ins Wort fährt: „Papa, das will ich nun wirklich nie wieder. Ich habe Angst, dass mich das Heimweh wieder anfällt. Ich will das nicht noch einmal!“ Dabei hämmert seine rechte Hand wie bei einem Auktionator, der den krachenden  Schlusspunkt bei 3 setzt.
Eine ganze Weile vergeht während ich, steif an Körper und Seele, spüre was mein Kleiner Mann da gesagt hat.

Wochen später
Mittlerweile ist das Pfingstlager vergessen. Unser Kleiner hat auch sein Lachen wiedergefunden und morgen fährt er mit Oma. Das hat er schon oft gemacht. Damals war zwar noch der Opa dabei, der die schlimmsten Eigenarten seiner Frau irgendwie unter Kontrolle hatte, aber wir sind uns sicher, das klappt auch mit den beiden alleine ohne Probleme. Und damit Jakob seine Lieblingshose (es kann nur eine geben, die unvergleichliche, einzig wahre…)  mit an die See nehmen kann, bin ich mit dem Teil zu meiner Lieblingsschneiderin, damit sie sich darum kümmert, dass ein neuer Reißverschluss die Hose wieder tauglich macht. Meine Lieblingsschneiderin ist vor etlichen Jahren aus dem Iran nach Deutschland eingereist, spricht ein nahezu perfektes Deutsch mit

 Un hier geht es bald weiter

Kategorien: Aus meinem Leben | 0 Kommentare

Beitrag Freunden empfehlen
  • Facebook

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!