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Von Sehnsucht und Heimweh Teil 4

Kann mir bitte mal jemand sagen, was uns nach Heimat sehnen lässt?

Die Antwort liegt irgendwo in den Augen dieser Frau und im Herzen meines Sohnes.

zum vorherigen Teil 3 geht es hier

„Die Leute in Iran, das Wetter, die Parks“, fährt sie fort. „Ob arm oder reich, sie gehen alle in die Parks mit Käse und Brot und singen und machen Musik. Sie leben, weißt Du?“
Ich glaube ich weiß. Ich krame in meinem Schatz aus Erinnerungen bis sie fortfährt: „Diese Landschaft, alles ist grün und diese Häuser, schaust du“. Sie hält mir wieder ihr Handy vor die Augen und lässt das Video erneut ablaufen. Nach einigen Sekunden stoppt sie die Bilder und sagt auf das Display deutend: „Ist das nicht wunderbar, dieses Haus mit seinen Bögen und diesem Garten. Meine Tochter war dort und sie hat mir geschrieben <Mama, hier ist es so schön, und die Leute sind so freundlich und fröhlich. Hier ist alles so vertraut.>
Sie nimmt ihr Handy herunter und legt es auf den Tresen. Dann atmet sie einmal tief durch und erklärt mir: „Meine Tochter ist Deutsche, ist hier aufgewachsen, aber als sie nach Iran gefahren ist, war ihr alles so vertraut!“ Sie dreht ihr Mobiltelefon in ihrer Hand wie einen Schatz.
Ich glaube, ich habe in meinen Erinnerungen gefunden, wonach ich gesucht habe.
„Sie ist nach hause gekommen!“, sage ich mit gedämpfter Stimme. Sie schaut mich an. Ihre Augen sind verschlossen, irgendwie flach, grau ohne dieses lebendige Funkeln, das ich sonst bei ihr so bewundere. Ein glänzender Film trübt ihren Blick und sammelt sich in der kleinen Falte zwischen Augapfel und Nase.
Mir kommen meine Spaziergänge in der nahen Eifel in den Sinn. Diese sanften Hügelketten, das grelle, fast schon unwirkliche Gelb der blühenden Rapsfelder im Frühjahr, die um die Wette leuchten mit dem Gelb-Orange der Millionen Löwenzahnblüten in saftig grünen Wiesen. Schotterwege die vorbeiführen an den in allen Grünschattierungen getupften Rändern des angrenzenden Mischwaldes, um irgendwann mit ihm Eins zu werden.
Jetzt bekomme auch ich einen Kloß im Hals. Ich erzähle ihr von meiner Liebe zu diesem, meinem Land und sie versteht ohne nachzudenken, allein mit dem Herzen: „Das ist Glück, dann muss man weinen!“ sagt sie.
Ich erzähle weiter:
„Meine Frau und ich lieben es in ferne Länder zu fahren, fremde Kulturen kennenzulernen, die Natur zu bestaunen und die dortige Küche zu genießen. Wir genießen das in vollen Zügen; tanken Sonne und Eindrücke und gelegentlich lernt man dort in der Ferne liebe Leute kennen und kommt in den Genuss ihrer Gastfreundschaft.  Aber so schön es auch ist, wenn ich weiß, dass morgen der Flieger Richtung Heimat geht, bekomme ich so ein drängendes warmes Flimmern im Bauch. Und wenn wir dann wieder zuhause angekommen sind, egal ob mitten in der Nacht oder am Tag, sitzen wir oft noch stundenlang zuhause, trinken guten deutschen Weißwein, essen dazu köstlichen Schwarzwälder Schinken und Schwarzbrot von unserer Lieblingsbäckerei aus Nöthen in der Eifel und genießen unsere kleine Welt.“
Sie nickt und die Augenwinkel füllen sich langsam. Sie kämpft mit ihrer Seele.

Kategorien: Aus meinem Leben | 0 Kommentare

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