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Von Sehnsucht und Heimweh Teil 5

 Das gelobte Land

vorheriger Teil 4

Sie nickt und die Augenwinkel füllen sich langsam. Sie kämpft mit ihrer Seele.
„Du bist lange in Deutschland, bist hier glücklich verheiratet, hast wunderbare Kinder und ein Haus mit Garten!“, gebe ich zu bedenken.
„Wir haben gerade das Haus gekauft, ein tolles Haus. Ich habe einen großen Garten. Ich habe viel, viel Arbeit damit gehabt. Habe Zucchini, Auberginen, Tomaten und anderes gutes Gemüse gepflanzt. Es ist alle verregnet. Mein Garten….“, sie macht eine Pause und der trübe Film auf ihren Augen kommt wieder in Bewegung. Schnell wischt sie sich gespielt beiläufig durch die Augenwinkel. „Ich habe viel geweint in den letzten Wochen.
Ich versuche es erneut im Bewusstsein, dass Alles Nichts ist, wenn sich die Seele alleine fühlt: „Du bist lange in Deutschland, bist hier glücklich verheiratet, hast wunderbare Kinder und ein tolles Haus mit Garten!“ Diesmal nickt sie und ergänzt: „Und meine Seele ist in Iran!“ 
„Deine Kinder haben auch genau diese Seele von ihrer Mama!“, gebe ich zu verstehen.
Sie lächelt, nimmt die kaputte Hose meines Kleinen hoch und erklärt mir, wie sie es schaffen wird, die Reparatur möglichst ohne unnötige Kosten bewerkstelligen zu können.
Ich bin noch nicht bei der Hose. Meine Gedanken sind noch bei ihren feuchten Augen. „Du hast Heimweh!“ sage ich. „Verdammtes Heimweh!“
Sie nickt nur und hält Jakobs Hose weiter prüfend in ihren Händen.
„Das ist derselbe Mond, den wir hier sehen! Derselbe Mond scheint auch nachts über dem Iran.“
Augenblicklich könnte ich mich verfluchen für diesen Spruch, der noch nicht mal meiner ist! Was ist wenn sie mir hier gleich anfängt zu weinen. Da stehe ich dann, ich sentimentaler Dämel und habe ein Problem!
„Da hilft nur Eins“, sage ich mit aufmunterndem Tonfall. „Du musst den Iran besuchen. Du brauchst Urlaub…..  zuhause!“
Ich komme mir ziemlich hilflos vor, denn ich weiß „Das reicht nicht!“ Also lege ich noch mal nach:
„Irgendwann wirst du deinen Mann mit deiner Sehnsucht anstecken. Dann verkauft ihr hier alles, was ihr habt, und geht in den Iran!“
Sie lächelt. Sie lächelt wirklich. In ihre Augen kommt wieder Leben, wie bei einem abgestorbenem Computer der nach einem beherzten Schlag aufs Gehäuse wieder dieses typische „Fiep, Fiep“ hören lässt und den vormals schwarzen Bildschirm im Windows-Logo erstrahlen lässt.
„Ja, dann kaufen wir uns in Iran eine Villa am Meer und….“ Ich unterbreche ihre erregt vorgetragenen Pläne:
„Ein kleines Haus mit Garten in der Nähe vom Meer würde doch auch reichen, oder? Man muss die Kirche im Dorf lassen, auch bei allem Heimweh!“
Jetzt lacht sie fröhlich: „Und du und Jakob und deine Frau kommen uns besuchen, wann immer ihr wollt!“
„Gut, die Einladung steht, aber du musst dann kochen mit Gemüse aus eigenem Garten, genau so wie man es im Iran macht!“
„Die Hose kann ich Dir für 7 Euro machen“, sagt sie, legt die Hose auf den Tresen und schaut mir fest in die Augen.
„Das nenne ich ein Wort“, erwidere ich. Der Handel steht.

 

Kategorien: Aus meinem Leben | 0 Kommentare

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