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Von Sehnsucht und Heimweh Teil 6

Wenn man nicht versteht, fragt man einfach mal die Kinder. Die erklären Dir das dann schon. Nur hinhören musst Du!

Ein paar Stunden später
Es ist Abend und für unseren 9-jährigen Rabauken Zubettgehzeit. Wir liegen zusammen auf seinem Bett und erzählen uns bei gedämpftem Licht von unserem Tag.
„Du“, sage ich zu Jakob.
„Wie war das noch mal mit dem Heimweh beim Pfingstlager?“
Ich halte kurz inne und überlege ob es ok. ist, ihn noch mal darauf anzusprechen, aber ich muss einfach richtig verstehen!
„Du musst mir das noch mal erklären. Du hast ja auch gesagt, dass es richtig toll war und du hast bei allen Aktivitäten begeistert mitgemacht, haben die Rover erzählt“.
„Ja Papa, das war auch richtig toll, aber das war ja auch am Tag“, beginnt er mir zu erklären.
„Dann, wenn es dunkel war, habe ich in den Himmel geguckt und den Mond gesehen. Ich habe dann genau gespürt, dass ihr, dass Mama und du auch den Mond anschaut und mir einen Kuss schickt!“
„Aber das ist doch wunderbar“, erkläre ich.
„Ja schon, aber dann habe ich euch so sehr vermisst. Dann musste ich weinen. Dann wurde das Heimweh ganz groß! Da konnte ich nichts gegen machen.“
Ich beginne zu verstehen: „Das war dann so wie wenn man beim Tauchen plötzlich unbedingt nach oben will, weil man das Gefühl hat zu ersticken. Man weiß, es geht nicht, es ist unmöglich, aber man muss unbedingt ohne Wenn und ohne Aber!“
Dann frage ich: „Und wie hast du dieses hinterlistige  ‚Heimweh-Tier’ gebändigt?“
„Der Samuel hat das gesehen und ist mit mir durch den Wald gegangen, mit Taschenlampe, und wir haben uns den Wald bei Nacht angeschaut“, erklärt mir Jakob.
Samuel ist einer der großen Jungs, Rover und das absolute Pfandfindervorbild von unserem kleinen Wölfling, groß, stark, rau mit dem Herzen am richtigen Fleck, und einem Tannewald-Tattoo auf der Wade. Auch wenn ich Tattoos generell furchtbar finde, aber das passt!
„Und dann war es gut?“, frage ich nach.
„Ja, fast gut Papa, ich konnte dann wenigstens einschlafen.
„Nach einer kurzen Pause fügt er noch hinzu: „Aber am nächsten Abend war es wieder da, das Heimweh, nur noch viel stärker!“
„Au Backe, da hilft dann gar nichts, ich glaube ich kapiere!“
„Aber jetzt bin ich ja wieder zuhause und es gibt keinen schöneren Platz auf der Welt.“
Mit einem wohligen Seufzer kuschelt sich mein Schatz ins Kopfkissen und schläft fast augenblicklich ein!


Auf dem Auswandern ruht der Fluch ewiger Heimatlosigkeit. - Carmen Sylva

Kategorien: Aus meinem Leben | 0 Kommentare

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