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Antrag zum Antrag

Manche Vorschriften sind mit normalem Verstand nicht nachvollziehbar. Was ist mit Ermessensspielräumen, mit Macht, mit Machtnichts?

Also, mein Nachbar ist ein netter Mensch und der sagt immer: „Beamte sind auch nur Menschen.“ Und warum, das erklärt folgende Geschichte.

Mein Nachbar und sehr guter Freund ist der Meinung, man müsse der Welt in Sachen Frieden etwas auf die Sprünge helfen, und hat sich folglich in den letzten Monaten stark um die Aufnahme eines jugendlichen Flüchtlings bemüht. Vielmehr war es seine Frau, die damit anfing. Er fand das lediglich toll und gibt jetzt selber Gas. Gut, muss jeder selber wissen, was er sich da ans Bein nagelt!. Er sagt, das seien arme Schweine die unglaublich viel Leid mitbekommen haben und oder selber erfahren haben. Die schlagen hier auf und fangen bei absolut NULL an ohne Freunde, ohne Familie, ohne Sicherheit ….
Jetzt hat mein Freund nach etlichen Gesprächen und Terminen vor 10 Tagen angefangen alle Unterlagen zusammenzutragen, die er zur Beantragung für die Genehmigung zur Aufnahme eines Pflegekindes braucht. Dazu gehören, Gesundheitszeugnis, Vorstellung der eigenen Person mit allem Schnipp und Schnapp wie familiäre Verhältnisse, Kindheit, Erziehungsauffassungen, Hobby und noch vieles mehr, also einen ganzen Haufen Prosa. Dann noch Einkommensnachweise, Fotos usw. und zum Abschluss noch ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis. Und genau da lag jetzt die Nadel im Haufen die meinen Freund nachhaltig piekst, und zwar wie folgt.
„Ich bin mal eben zum Amt die polizeilichen Führungszeugnisse für uns zu beantragen.“
„Dann nimm aber meinen Personalausweis mit“, forderte ihn seine Frau auf.
„Ich beantrage doch nur, da werden doch wohl der Kostenübernahmebescheid vom Jugendamt und mein Ausweis ausreichen“, entgegnete er.
Aber da man ja nie weiß, hat er dann auch den Ausweis seiner Frau mitgenommen.
„Hallo, sagte er dann nach langem Warten im Bürgerbüro zu der attraktiven Jungen Frau hinter dem Schreibtisch und erzählte ihr von seinem Anliegen. Dabei gab er ihr das Schreiben vom Jugendamt.
„Dann brauche ich Ihren Personalausweis“
„Können Sie gerne haben, und den von meiner Frau gebe ich Ihnen gleich auch“, sagte mein Freund gut gelaunt.
„Den von Ihrer Frau brauche ich nicht!“
„Oh, super, dann hatte ich ja doch recht, dass der Ausweis nicht nötig ist!“
„Nein, der Ausweis ist notwendig, nur können Sie den Antrag nicht für Ihre Frau stellen.“
„Wie, jetzt veräppeln sie mich aber?“
„Nein, durchaus nicht!“
„Aber ich habe doch den Ausweis meiner Frau dabei!“
„Schön, aber die Beantragung kann nur ihre Frau persönlich durchführen“
„Verstehe ich nicht. Ich bin doch nur hier, weil wir unter Vorlage des Schreibens vom Jugendamt die Kostenübernahme durch die Stadt gewährt bekommen.“
„Wie, Kostenübernahme, für wen beantragen sie denn jetzt?“
„Ich beantrage für meine Familienmitglieder, sprich: Meine Frau und mich!“ Dabei schob er ihr erneut die Kostenübernahmeerklärung rüber.
„Aber sie können nur für sich persönlich beantragen.“
„Glaub ich nicht! Wenn es Online geht, dann muss ich nicht persönlich vorstellig sein. Wir skypen ja nicht, kein Livestream beim Führungszeugnisbeantragen!“ Allmählich schwoll meinem friedfertigen Freund der Kamm!
„Ist aber Gesetz“
„Dann ist das Gesetz Schwachsinn!“
„Sie können ja beim Amt eine beglaubigte Vollmacht beantragen um für Ihre Frau den Antrag zu stellen.“
„Bitte?“
„Das geht aber nur, wenn ihre Frau z.B. in Köln arbeitet und es zeitlich, beruflich nicht schafft hier bei uns persönlich vorstellig zu werden, um den Antrag für ein Führungszeugnis persönlich zu stellen.“
„Also in Köln, oder was?“
„Was weiß ich, wo ihre Frau arbeitet!“
„Wollen sie mich verarschen?“
„Sie können sich gerne bei Frau Merkel beschweren!“
„Ich denke sie ist da nicht der richtige Ansprechpartner!“
Die Frau hinterm Schreibtisch lehnte sich jetzt in ihrem Sessel zurück und schaute auf den Bildschirm! Mein Freund war für kurze Zeit sprachlos, setzte dann jedoch nochmal neu an:
„Jetzt mal Spaß beiseite, sie sehen mich hier sitzen! Ich habe meinen Ausweis dabei! Ich habe den Ausweis meiner Frau dabei! Ich habe ein Schreiben vom Jugendamt, dass das Jugendamt die Kosten für meine Frau und mich übernimmt. Sie haben das Wissen, dass man auch ohne persönlich bei der Datenverarbeitung der Stadt vorstellig zu sein, das Führungszeugnis online beantragen kann. Sie behaupten also, dass das trotzdem nicht gehen soll?“
„So ist nun mal das Gesetz, und ich habe das Gesetz nicht gemacht!“
„Und das Gesetzt sitzt jetzt bei Ihnen auf dem Schoß und schaut zu, dass Sie Ihren Ermessensspielraum auch ja nicht ausreizen!“
„So ist es nun mal!“
„Entschuldigen Sie, wenn mir da etwas der Kamm schwillt, aber das ist wohl der unglaublichste Schwachsinn, den ich jemals gehört habe."
„Das macht nichts, sie sind nicht der Einzige der sich hier aufregt. Das sind wir gewohnt!“
Mein Freund holte jetzt nochmal gaaaaanz tief und langsam Luft. Man konnte das gedachte Ommmmm regelrecht hören.
„OK“, fuhr er fort. „Vielleicht haben wir beide den richtigen Anfang verpasst. Ich schlage vor, wir beginnen nochmal von vorne. Ich zeige Ihnen meinen Ausweis, den meiner Frau und wir sind jetzt ganz lieb miteinander“
„Ich werde den Antrag für Ihre Frau nicht annehmen!“
„Und wenn wir beiden jetzt so tun, als säße meine Frau neben mir!“
„Sitzt sie aber nicht!“
„Vielleicht können Sie sie nur nicht sehen!“
„Stimmt“
„Also, dann sage ich meiner Frau jetzt, sie soll Ihnen den Ausweis geben!“
„Nein“
„Aber es geht doch auch online, ohne vorstellig zu sein, und ohne Ausweis!“
„Nein, dafür brauchen sie den neuen Ausweis, aber sie haben den alten Ausweis.“
„Stimmt nicht, ich habe den neuen!“
„Aber der von Ihrer Frau ist alt!“
"Aber den Ausweis braucht man lediglich zur Identifikation, zum maschinellen Abgleich mit den Meldedaten usw."
"Das geht nur mit dem Neuen online!"
"Ja aber nur aus technischen Gründen, nicht aus sachlichen!"
"Wie gesagt, Sie können sich ja beschweren!"
Das Ende der Geschichte lass ich jetzt mal offen. Habe ich in der Schule mal gelernt. Ist besonders spannend, weil der Leser sich das Ende, je nach Veranlagung selber ausdenken kann! Also viel Spaß beim Endeausdenken!

Kategorien: Aus meinem Leben | 0 Kommentare

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