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Ich lass es Leben, mein Haar

Als sie ihren Kleinen für ein Wochenende zu Oma und Opa geben, ahnen Jakobs Eltern noch nicht, welche Folgen dieser Besuch haben wird. Der Schock kommt unerwatet am Samstagmorgen.

Mama und Papa trifft der Schock ganz unerwartet, als Opa anruft und berichtet, dass sie mit Jakob (ihrem geliebten Enkel) unterwegs seien zum Notdienst.

In letzter Zeit geht Jakob (als Erholung vom stressigen Kindergartenalltag) mit Vorliebe Oma und Opa, kurz OmPa gegannt, besuchen. Und wenn er denn dann einmal da ist und sich eingespielt hat, dann gibt es oft Einspruch, wenn es heißt, nach Hause zu gehen.

Bei Oma und Opa ist es aber auch verführerisch, so ist das ganze Wohnzimmer mit Teppichen ausgelegt. Hiervon haben die beiden mehr als genug, so dass an manchen Stellen 2 oder 3 Teppiche übereinander liegen. Die Teppiche, die keinen Platz mehr gefunden haben, werden dann gut verpackt und mottensicher in blauen Müllsäcken gelagert.

Da es sich in der Regel um edle Stücke aus Seide handelt, ist der Boden nicht nur wunderbar angenehm weich, sondern auch noch glatt und eben, so dass Legosteine nicht kippeln und Playmobil-Feuerwehrautos schnell zum Einsatz gefahren werden können. Die Spielecke ist rings um den mittig im Zimmer platzierten und das Zimmer dominierenden Breitbandfernseher eingerichtet. Das hat den Vorteil, dass Opa bequem vom Fernsehsofa aus den Kleinen beim Spielen beobachten kann. Ist das Fernsehprogramm mal nicht interessant genug, so muss nicht umgeschaltet werden (ist für Opa selbst nach 2 Jahren Benutzung des Fernsehers noch immer mit Schwierigkeiten verbunden…), sondern man wendet den Blick gelassen ein wenig zur Seite, und ohne Aufwand hat man das Alternativprogramm „Opas Kinderstunde“.

Diese Spielecke besteht aus mehreren prall gefüllten Euroboxen, die vor Benutzung fein säuberlich gestapelt sind. Nach dem Spielen gleicht deren Anordnung mehr einem Versuch, die Gesetze der Statik auszutricksen. Gelegentlich kann Jakob nicht der Versuchung widerstehen, auch auf die wackelige Anordnung der Euroboxen zu klettern, was natürlich unverzüglich Oma auf den Plan ruft, die ihre in unmittelbarer Nähe aufgereihten und gestapelten Zimmerpflanzen und teuren Antiquitäten in Gefahr sieht.
Manchmal kommt es auch vor, dass Nik, Jakobs 2 Jahre jüngerer Vetter, zum spielen zu OmPa darf. Dann gibt es dann schon mal Meinungsverschiedenheiten zwischen den Kindern, wer denn nun welches Spielzeug benutzen darf.
Dabei ist es immer wieder erstaunlich, wie treffsicher das jeweils andere Kind genau das Spielzeug aus den getürmten Boxen unter hundert anderen herauszieht, das genau und unwiderruflich gerade der Andere auch haben wollte. Oma versucht dann mit ihrem pädagogischen Hintergrund (man hat ja mal angefangen Lehramt zu studieren... oder sogar beendet?) die Fronten zu glätten. Hierbei verfällt sie permanent dem Glauben an die uneigennützige soziale Einstellung der unbefleckten Kinderseelen.

Damit es denn nicht immer Schimpfe von Oma gibt (im Zweifel ist ja immer der Größere der Übeltäter), hat Jakob bereits einige Schimpfvermeidungs-Strategien entwickelt und mit der Zeit perfektioniert.
Eine davon ist der verdeckte Rückzug. Hierbei werden die angesagten Spielsachen unauffällig nach hinten ins Schlafzimmer verbracht und nach dem Toilettengang (das Kind ist gesund, wenn es Verdauung hat) kehrt man nicht wieder ins Wohnzimmer zurück, sondern biegt unauffällig ab ins Schlafzimmer, das auch zentimeterdick mit Teppichen ausgelegt ist. Dann noch „Tür zu“ und hoffen, dass man nicht vermisst wird. Um dem ungewollten Besuch von Nick vorzubeugen, wird dann hinter der Tür noch das ein oder andere schwere Teil drapiert, so dass der Besucher über Kräfte zum öffnen der Tür verfügen muss, die das Vermögen eines Zweijährigen übersteigen.

Als Jakob letztens OmPa besuchen wollte, berichtete Oma schon am Telefon, dass der kleine Nick an Scharlach erkrankt sei. „Oh der arme Kerl kriegt aber auch immer schlimme Krankheiten“, sagte Jakobs Mama brav. „Was hat der Nik denn?“, wollte Jakob wissen. „Scharlach, das ist eine Krankheit, wo man ganz dolles Fieber bekommt und ganz schlapp wird!“ „Das ist doch toll, dann kann der Nik auch nicht hoch zu Oma und Opa kommen und mich beim Spielen stören!“ Soviel also zum Mitgefühl von Kindern.

Jakob wollte auch diesmal ...........

Demnächst: Aber was ist jetzt passiert? Warum Notdienst? Die Wahrheit treibt Jakobs Mama dazu zum ultimativen Mittel zu greifen.... dem Internet!?

Kategorien: Jakobs Tagebuch | 0 Kommentare

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Jetzt geht es den Haaren an die Wurzel. Jakob als Praktikant im Friseurhandwerk. Lies zuerst Teil1 und Teil2 Erst mussten ein paar Haare an der Stirn ihr Leben lassen. Und weil es sich doch so schön anhörte und anfühlte (O-Ton Jakob), traute er sich auc

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