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Das unerkannte Genie

Die Folgen eines Interviews für WDR2

Das unbefriedigendste aller Geheimnisse ist, ein Genie zu sein und es als einziger zu wissen!
(ziemlich frei nach Marc Twain)
Da stand ich nun, hilflos wie ein Vater nun mal ist, wenn er seinem achtjährigen Sohn mitteilen muss, dass Ostern ausfällt, weil er soeben den Osterhasen überfahren hat.
„Ich kann doch nichts dafür“, hörte ich mich um Vergebung betteln.

„Die nette Frau hat mich angerufen und gefragt, ob ich mal eben Zeit für ein Interview hätte.“
Weiter kam ich nicht mit meinen Versuchen, den kleinen Co-Autor zu besänftigen.
„Papa, das ist auch mein Buch!“, herrschte er mich an: „ICH hätte das Interview geben müssen!“
Ich sah ein, da half kein Hin und da half kein Her. Mein Sohn ist eben eine Rampensau, also ging ich in die Offensive: „Gut, ich werde der Frau Hermanns eine SMS schicken und ihr mitteilen, dass sie den Falschen interviewt hat, ok?“, schlug ich Jakob vor.

Gesagt getan und nur kurzer Zeit später bekam ich die nette Antwort die Jakob eigentlich hätte beruhigen müssen:
„Sagen sie Ihrem Sohn, wenn er ein Buch geschrieben hat, komme ich darauf zurück. Aber ich kann ihn ja als Ideengeber erwähnen. Herzliche Grüße Helga Hermanns“
„Papa, aber ich habe doch ein Buch geschrieben!“, war die entrüstete Reaktion auf die Antwort-SMS.
Also Fehlanzeige, aber nicht hoffnungslos, da konnte man noch was draus machen.
„Ja schon“, setzte ich erneut an, um die leidige Sache zu Ende zu führen: „Sie meint ja auch, dass wenn du ALLEINE ein Buch geschrieben hast…. . Geschrieben habe ja ich, auch wenn du deine Ideen beigesteuert hast!“
Dieses Argument war angekommen. Der Kleine Co-Autor versank in Grübelei, bevor er sich nur Minuten später erneut zu Wort meldete:
„Arwin aus dem All!“, platzte es aus ihm heraus.
„Was meinst du mit Erwin aus dem All?“, fragte ich nach.
„ARRWIN, nicht Erwin, Mensch Papa, So heißt mein neues Buch“, antwortete Jakob.
„Welches neue Buch?“, ich bin eben manchmal etwas langsam.
„Papaaaa, MEIN neues Buch, und dann werde ich auch interviewt!“
Jakob stand entschlossen vor mir, die Hände in die Hüfte gestützt und mich mit seinen strahlenden Augen fixierend.
„Toller Titel; und was macht dein Armin in deiner Geschichte?“ fragte ich nach, damit ich mir ein Bild vom Ausmaß seiner Überlegungen machen konnte.
„ARrrrrWIN, Papa… Arwin ist ein Alien und fliegt durchs Weltall, wird dann in eine Weltraumschlacht verwickelt, wobei der Kristallantrieb seines Raumschiffes zerstört wird und er auf die Erde stürzt.“ Der Kristall ist so ein Ding….“ Hier unterbrach ich ihn, denn er sollte eigentlich mit den Hausaufgaben beginnen.
„Jakob, das ist aber sehr technisch. Was hälst du davon, wenn Arwin einfach abstürzt, weil ein Teddy, der im Weltall so herumtrudelte, sein Triebwerk verstopfte.
Jakob grinste jetzt über beide Wangen.
„Ja genau, den Teddy hat ein Astronaut im Weltall vergessen, nach dem er ihn heimlich (weil er sich schämte, als Mann eine Teddy zu haben) auf seinem ersten Flug ins Weltall mitgenommen hat.“, sprudelte er los. Dann versank er erneut in Gedanken und dabei schauten mich seine großen Augen durchdringend an.
„Papa, aber die Bilder musst du malen!“, dabei kam er ganz nahe an meine Ohren und flüsterte, damit es auch ja keine Redakteurin hören kann: „Du weißt ich kann nicht so gut malen!“
Ich flüsterte zurück: „Ok, geht in Ordnung!“
„Ja Papa, und dann werde ich interviewt, und du wirst erwähnt…wenn du willst“.

Hörst DU
Den Beitrag gibt es in der Tat. Mittwoch 9.10.2013 WDR2 Aachen und Region -- O'Ton -- 

Kategorien: Angepinntes | 0 Kommentare

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