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Halbe Herzen 4

Wendungen

(was bsiher geschah)
Peter rennt stolpernd zwischen geparkten Autos hindurch. Erst hört er Bremsen kreischen, dann ein ohrenbetäubendes Hupen, bevor der Aufprall erfolgt.

Josef haut es schlagartig die ganze Luft aus der Lunge, als Peter gegen ihn prallt. Der alte Mann schwankt und muss sich auf seinen kleinen Freund stützen um nicht umzufallen.
„Moment mein Junge, nicht so schnell, auf der Straße laufen außer alten klapprigen Opas auch noch wildgewordene Blechtiere herum. Der Mensch hat diese gefährlichen Opel mit dem Blitz oder die Mercedes mit der Zieleinrichtung vorne auf der Nase hier frei laufen lassen. Wenn die dich erwischen, dann aber Halleluja, das ist nicht so weich wie mein Bauch!“ Der alte Mann lächelt Peter aus seinen gütigen Augen an und fährt fort: „Bist wohl auf der Flucht! Kann ich gut verstehen, mein Kleiner.. Während er dies sagt schaut Josef kurz Richtung Spielzeugladen. „So etwas ist auch enorm gefährlich. Ich sage Dir, ein Blick von ihnen, einmal ihren Geruch aufgenommen und du bist ihnen verfallen und verloren!“, dabei grinst der alte Mann über das ganze Gesicht.
Böse, böse sowas“, fährt er fort: „aber ich dachte dass Kinder nicht ins Beuteschema von Frauen passen. Tststs verstehe einer die Welt.“ Jetzt lacht Josef lauthals los. Peter stützt den alten Mann und lauscht verwirrt, aber auch amüsiert, den Ausführungen seines gebrechlichen Freundes.
Josef
„Komm, mein Junge!“, fährt Josef fort und ergreift die ihm angebotene Hand von Peter.
„Wir zwei gehen jetzt in die Höhle der Löwin, aber schau’ besser weg, an die Decke oder auf den Boden und hüte Dich vor ihren Blicken!“
Peter versteht jetzt gar nichts mehr und schaut den alten Mann fragend an.
„Ach vergiss es und komm’ einfach mit!“, sagt Josef und zwinkert seinem kleinen Freund zu.
Unendlich langsam bewegen sich die zwei über den Asphalt. Gelegentlich schaut sich Peter um und hält nach der jungen Frau Ausschau. Mit einer Mischung aus Erleichterung und Enttäuschung registriert er, dass sie ihm nicht gefolgt ist. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen die beiden einen Hinterhof. Hier stehen neben großen stinkenden Mülltonnen riesige Metallcontainer, deren Schiebeklappen wie aufgerissene Mäuler darauf warten, gefüttert zu werden. In einer Ecke liegen Unmengen Kartons direkt neben Bergen von Schutt und Müll. Peter schaut seinen Begleiter unsicher an.
Kleines Glück
„Ja, ich weiß was du denkst, aber glaube mir, hier ist das Paradies! Nicht immer, aber manchmal. Du wirst schon sehen.“, erklärt Josef.
Erst jetzt bemerkt Peter diesen köstlichen Duft nach frischem Spekulatius und Weihnachtsprinten. Eine Verheißung aus vergessenen Zeiten. Tief atmet er die Luft ein und spürt der Erinnerung nach, die dieser Duft in ihm wachruft. Undeutlich, verschwommen aber doch so wunderschön!
Kreischend öffnet sich eine schwere rostige Metalltür und gibt den Blick ins Innere des Gebäudes am Ende des Hofes frei. Peter entdeckt Reihen von silbrig glänzenden Tischen an denen Leute stehen, Teig kneten und verarbeiten. Eine rundliche Frau tritt in den Türrahmen und verstellt mit ihrer Leibesfülle Josef und Peter den Blick in die Backstube, schaut prüfend kurz hinter sich und kontrolliert den Hof mit schnellem Blick. „Ok, Josef, komm! Aber etwas schneller als sonst. Wenn der Meister uns hier sieht kriegen wir Ärger“, sagt sie leise.

 

 

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Paradies(was bisher geschah) Direkt hinter der Stahltür öffnet sich rechts ein kurzer Gang, an dessen Ende eine Art Aufenthaltsraum mit geöffneter Tür zum Eintreten einlädt. Hier warten zwei Stühle auf die beiden Stadtstreicher. Auf dem Tisch liegen eini

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