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Halbe Herzen 5

Paradies
(was bisher geschah)

Direkt hinter der Stahltür öffnet sich rechts ein kurzer Gang, an dessen Ende eine Art Aufenthaltsraum mit geöffneter Tür zum Eintreten einlädt. Hier warten zwei Stühle auf die beiden Stadtstreicher. Auf dem Tisch liegen einige warme Brötchen und der Spekulatius daneben verströmt einen betörenden Wohlgeruch.

„Ok, bleibt etwas hier im Warmen. Es ist kalt heute.“, sagt die Frau. „Ihr könnt euch aufwärmen. Esst, und den Rest packt euch in die Taschen. Ich gebe euch Bescheid wenn ihr wieder ´raus könnt, ohne gesehen zu werden!“ Mit diesen Worten verlässt die Frau den Raum und schließt die Tür hinter sich.
„Josef hat Recht!“ denkt Peter: „Hier ist das Paradies!“
Der alte Mann lacht und beobachtet wie Peter genüsslich in ein Brötchen beißt. Erst einen Bissen dann zwei, dann stopft Peter sich schnell ein paar Brötchen in die Taschen seiner zerrissenen Jacke. Noch bevor er den Mund leergegessen hat, probiert er vom Weihnachtsgebäck, und bei allem Hunger, den es zu stillen gilt, lässt er sich Zeit, spürt und schmeckt den Spekulatius und lauscht auf das Knacken des Gebäcks in seinem Mund. Es ist nicht nur der Geschmack, der ihn gefangen nimmt. Der Geruch, die angenehme Wärme, die diese Platzchen verbreiten, weckt tief vergrabene Erinnerungen in ihm.
Unerwartet hebt Josef seine Hand und bedeutet Peter, still zu sein. Das Lächeln hat Josefs Gesicht verlassen. Peter ist jetzt ganz leise und hört ängstlich, wie sich draußen Schritte nähern. Eine Frau redet laut und hektisch auf jemanden ein. Dann wird die Türklinke von außen heftig heruntergedrückt.
„Nein, sie dürfen dort nicht hinein, dass ist die Garderobe der Frauen, darin haben sie nichts zu suchen!“, hört Peter die Frau sagen, die sie eben hineingelassen hatte.
Eine aggressive Männerstimme antwortet: „Gut, ich hole die Vorarbeiterin, die wird dann nachsehen. Und sie bleiben so lange hier und rühren sich nicht von der Stelle!“
Peters Herz rast. Man darf ihn hier nicht erwischen. Auf keinen Fall will er zurück ins Heim. Sein Blick tanzt hin und her zwischen Tür und Josef, als im gleichen Moment die Tür aufgerissen wird.

 

 

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